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Altbestände: Die älteren Behörden des Fürstentums und Herzogtums Sachsen-Coburg


Die Altbestände umfassen den Bestand "Landesarchiv", der 1919 aus der Umbenennung des Herzoglichen Haus- und Staatsarchivs hervorgegangen ist, sowie diejenigen Überlieferungen, die zur Zeit der Vereinigung des Freistaates Coburg mit Bayern noch bei den jeweiligen Behörden verwahrt und erst nach 1924 an die Staatsarchivalienabteilung bzw. an das Staatsarchiv abgegeben worden sind.

Das Landesarchiv ist ein in Sachgruppen (Lokate) gegliederter Pertinenzbestand mit Urkunden und Akten aller Behörden des Fürstentums und seiner Vorläufer, der jedoch auch provenienzreine Unterabschnitte enthält. Das Lokat A (erst in jüngerer Zeit, rechtlich unzutreffend, als "Herzogliches Hausarchiv" bezeichnet) umfasst Akten über persönliche Verhältnisse der herzoglichen Familie, Korrespondenzen, Hofbauwesen, Hofhandwerk und Hofpersonal aus der Zeit von 1373 bis 1955. Der dazugehörige Urkundenselekt Landesarchiv, Lokat A Urkunden reicht von 1249 bis 1970. - Lokat B: Verhältnisse zu Kaiser und Reich (mit Reformationsakten, Kriegsakten - bes. Dreißigjähriger Krieg - und Rheinbund), 1372-1889. - Lokat C: Angelegenheiten der fürstlich sächsischen Länder mit Lauenburg und Jülich, 1317-1827. - Lokat D: Auswärtige Angelegenheiten mit deutschen und ausländischen Territorien, 1152-1832. - Lokat E: Innere Verfassung in geistlichen Sachen (darin: Teilüberlieferung der um 1525 aufgehobenen Klöster Zisterzienserinnen Sonnefeld, Benediktiner Mönchröden, Franziskaner Coburg, Augustiner Königsberg, Prämonstratenser Veßra, Benediktiner Veilsdorf; Kirchen- und Schulsachen, u.a. auch der Ämter Eisfeld, Heldburg, Hildburghausen, Neuhaus, Schalkau und Sonneberg/Thür. sowie der hennebergischen Ämter Salzungen, Römhild und Themar; Universität Jena), 1150-1834. - Lokat F: Innere Verfassung in weltlichen Sachen (mit Landschafts-, Militär-, Lehen-, Polizei-, Justiz-, Regalien- und Kameralwesen sowie Sachen der Städte und Ämter, u.a. Sonneberg, Schalkau, Neuhaus, Hildburghausen, Veilsdorf, Eisfeld, Heldburg, Ummerstadt, Themar, Römhild, Meiningen, Maßfeld, Wasungen, Behrungen, Salzungen und Senioratsamt Oldisleben), 1329-1894. - Lokat G: Sachen des Adels (Unterlagen aus landesherrlichen Registraturen), 1421-1885. - Lokat I: Fürstentum Saalfeld (wenige Hofverwaltungs- und Kaulsdorfer Lehenakten, die Masse des Lokats wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts an das Staatsarchiv Meiningen abgegeben), 1493-1825. - Lokat K: Herzogliche Staatsbank Coburg, 1802-1828. - Lokat L: Druckschriftensammlung (darin, soweit gedruckt, die coburgischen Polizei- und Landesordnungen), 1511-1893. - Lokat M: auf der Grundlage des bisherigen Bestandes Grundbucharchiv neu formiert mit Unterlagen zur Besteuerung von Grund und Boden (1.117 AE, 52 lfd. m). - Gesamtumfang der Amtsbücher und Akten: 42.625 AE, 581,7 lfm; dazugehöriger Selekt: 12.134 Urk., 1169-1920 (einschließlich zahlreicher Urkunden über bäuerliche Grund- und Abgabenablösung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts).

Gleichzeitig mit dem 1572 neugebildeten Fürstentum Sachsen-Coburg wurde die Landesregierung als dessen einzige Zentralbehörde errichtet. Im Verlauf ihres Bestehens wechselten nicht selten die Zuständigkeiten; insbesondere wurden die Kammer und das Konsistorium mehrmals aus- und wieder eingegliedert. 1801 wurde die Landesregierung dem neugeschaffenen Staatsministerium als Mittelbehörde nachgeordnet. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1858 wurde sie aufgehoben. Der Bestand stellt den Rest einer ursprünglich wesentlich umfangreicheren Registratur dar. Er enthält als weitere Provenienzen: Verordnete (Vorläuferbehörde), Rentmeisteramt, Kammer, Konsistorium, Regierung von Sachsen-Hildburghausen (für die Ämter Königsberg und Sonnefeld). Landesregierungsakten finden sich heute auch in den Beständen Landesarchiv sowie Landratsamt (als Vorakten bzw. in Abgabegemeinschaft); ein erheblicher Teil wurde eingestampft. Umfang: 12.772 AE, 180,4 lfm, 15. Jh.-1858.

Lehenhof: Obwohl für sachsen-coburgische Lehensachen keine eigene Behörde, sondern die "Landesregierung als Lehenhof" zuständig war, bestand für diese Materie doch immer eine stabile Registratur, die der Bestandsbildung zugrundegelegt wurde. Umfang: 1141 Akten, 23,4 lfm, 1526-1859.

Konsistorium: Ihm oblagen das landesherrliche Kirchenaufsichtsrecht sowie die Rechte des Landesherrn als summus episcopus in Kultus, Lehre und geistlicher Gerichtsbarkeit. Als Behörde wurde es 1593 in enger Abhängigkeit von der Landesregierung errichtet. Bei der Neuorganisation der Coburger Zentralbehörden 1802 hat man das Konsistorium aufgelöst und seine Aufgaben auf die Landesregierung übertragen. Ab 1808 wurde es als zweite Abteilung der Landesregierung wiedererrichtet, die von 1835 bis zu ihrer Aufhebung 1852 die Bezeichnung "Landesregierung als Konsistorium" führte. Umfang: 3721 AE, 59,8 lfm, 1495-1858.

Amtsarchiv Königsberg: Das aus der Erbmasse der Grafen von Henneberg-Schleusingen stammende Amt Königsberg gelangte auf dem Umweg über die Burggrafen von Nürnberg und das Hochstift Würzburg erst um 1400 an die Wettiner, unter deren Herrschaft es bis 1826, als es durch den Hildburghäuser Teilungsvertrag zu Sachsen-Coburg kam, zwischen verschiedenen ernestinischen Fürstentümern wechselte. Der Bestand umfasst die in der stabilen Amtsregistratur erwachsenen Akten. Anders als in Coburg, fand die Trennung von Justiz und Verwaltung im Justizamt Königsberg erst 1879 statt. Umfang: 2261 AE, 30,4 lfm, 1400-1826 (1836).

Ratsschule: Die seit dem 14. Jahrhundert nachweisbare Ratsschule wurde 1848 bei der Angliederung eines Progymnasiums an das Gymnasium Casimirianum (s. unten Ziff. II 2c Schulen) in eine Bürgerschule umgewandelt. Umfang (25 AE, 0,4 lfm, 1689-1755).