Bayerisches Staatsministerium für Finanzen Bd. 16
(Abgabe von 1937, Nr. 55.411 - 60.716)
Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Laufzeit: (1375/1705-1798) 1799-1934 (1935-1942)
Vorwort.
Die in den beiden vorliegenden Verzeichnissen
1. Verzeichnis der im Juni 1937 an das Hauptstaatsarchiv abgegebenen Sachakten,
2. Verzeichnis der im Juni 1937 an das Hauptstaatsarchiv abgegebenen Personalakten,
niedergelegte Aktenausscheidung ist zweifellos die größte seit dem Bestehen des Finanzministeriums. Sie wurde in diesem Ausmaße veranlaßt durch die zu Beginn des Jahres 1937 bekannt gewordenen städtebaulichen Pläne für die Umgebung des ?Hauses der Deutschen Kunst", in deren Zug auch das alte Finanzministerialgebäude an der Galeriestraße im Verein mit dem Reichsbankgebäude und anderen Gebäuden an der Ludwig- und Von der Tannstraße dem Abbruch unterstellt wurden, um einem neuen Zentrallandesministerium und anderen Monumentalbauten Platz zu machen.
Die Räumung der sogen. reponierten Registratur, welche auf dem Speicher des Hauses untergebracht war und mehr als hunderttausend abgelegte Akten neben zahllosen Gesetzbüchern, Landtagsverhandlungen, Verordnungen-Sammlungen usw. seit dem Bestehen des Finanzministeriums enthielt, mußte daher bis zum 01.07. des Jahres 1937, dem Zeitpunkt des Beginns der Abbrucharbeiten, vollzogen sein.
Mit der Leitung dieser Räumungs- und Ausscheidungsarbeiten wurde Verwaltungsinspektor Hahn und mit der Durchführung derselben Min. Kanzleisekretär Estendorfer betraut.
Da während der ersten zwei Wintermonate wegen Nichtheizbarkeit des Speichers größere Arbeiten dort nicht vorgenommen werden konnten, kamen für die eigentliche Aktenausscheidung nur vier Monate in Betracht. Die Aktenausscheidung selbst wurde in zwei Abteilungen durchgeführt: erstens Ausscheidung der Personalakten und zweitens Ausscheidung der Sachakten. Während die erstere Ausscheidung verhältnismäßig einfach war, gestaltete sich die Ausscheidung der Sachakten erheblich schwieriger, mußten doch die einzelnen Sachgebiete, die im Laufe eines Jahrhunderts oftmals, veranlaßt durch Bauarbeiten oder Platzmangel, ihren Lagerplatz nicht immer in tadelloser Ordnung gewechselt hatten und auch in den einzelnen Repertorien an verschiedenen Stellen vorgetragen waren, oft erst mühsam wieder gefunden und zu den entsprechenden Sachgruppen geordnet werden. Alle diese Arbeiten erledigte Ministerialkanzleisekretär Estendorfer - dies darf bei dem Umfang der Arbeiten festgestellt werden - mit einer ihm zugeteilten Hilfskraft mit großem Fleiße und anerkennenswerter Umsicht immer arbeitsfreudig trotz des großen Schmutzes und Staubes, der mit diesen Arbeiten verbunden war.
Daß bei dieser Gelegenheit auch eine ausgiebige Ausscheidung von minderwichtigen und als Archivmaterial bedeutungslosen Akten und Büchern als Einstampfmaterial (ca. 500 Ztr.) stattfand, ist selbstverständlich. Jedoch erfolgte diese Ausscheidung nicht, ohne den zuständigen Herren des Hauptstaatsarchivs (Oberarchivrat Dr. Pregler und Staatsarchivrat Dr. Vock) Gelegenheit zur Einsichtnahme gegeben zu haben.
Mit der pünktlichen Ablieferung des gesamten Aktenmaterials zum festgesetzten Termin (01.07.1937) an das Hauptstaatsarchiv war nun wohl die schwierigste und auch körperlich anstrengendste Arbeit geschafft. Nebenher war auch durch eine weibliche Hilfskraft das Verzeichnis der Personalakten zum größten Teil fertiggestellt. Aber noch harrte die Herstellung des wesentlich schwierigeren Verzeichnisses der Sachakten der Inangriffnahme. Personalmangel beim Kanzleipersonal, hervorgerufen durch Urlaube, Erkrankungen usw. schoben den Beginn dieser Arbeiten bis Mitte November des vorigen Jahres hinaus. Erst am 16.11. v. Js. konnte Min. Kanzleisekretär Estendorfer auch mit der Herstellung dieses Verzeichnisses beginnen.
Als Unterlagen hiefür dienten folgende Repertorien:
I. Repertorium der rep. Registratur zu Titel A, B, C, D, dann W und X,
II. Repertorium 1936 Sparte VI, Titel B, D,
III. Verzeichnis der auf dem Speicher verwahrten Akten,
IV. Verzeichnis: Ältere Akten,
V. Repertorium Staatsrealitäten,
VI. Aktenverzeichnis betr. die Auflösung sämtlicher Stifte u. Klöster Bayerns, Pfarreien etc.,
VII. Akten-Repertorium der rep. Registratur für die Abteilungen Titel E mit H, K mit N, V und Y,
VIII. Akten-Repertorium der laufen. Registratur für die Abteilungen E mit H, K und L,
IX. Akten-Repertorium der laufend. Registratur für die Abteilungen M, N, V u. Y,
Xa. Akten-Repertorium Zölle, Tit. I - XXI,
Xb. Akten-Repertorium Zölle und Reichssteuern, Tit. XXII - XXXII,
XI. Akten-Repertorium für das Aufschlagwesen (an das Hauptstaatsarchiv abgegeben),
XII. Akten-Repertorium Lehen.
Die Anordnung der Sachakten wurde sowohl dem Aktenplan - soweit dies möglich war - als auch der gegenwärtigen Registratursparteneinteilung angepaßt.
Daß diese große Aktenausscheidung aber zu einem gedeihlichen Abschluß gebracht werden konnte, ist nicht zuletzt Herrn Generalsekretär Ministerialrat von Schneider zu verdanken, der mit besonderem Wohlwollen und steter gütiger Bereitwilligkeit in der Regelung von Wünschen und Anträgen, die im Laufe der Arbeit auftraten, jede Förderung der Arbeit unterstützte, wofür abschließend der geziemende ehrerbietigste Dank hiermit zum Ausdruck gebracht werden darf.
München, den 31.03.1938.
[übearbeitet 2012]