AUSSTELLUNG: "Die brennendste aller sozialen Fragen." Kommunale Wohnungspolitik zwischen 1918 und 1954 in München, Nürnberg, Erlangen

Eine Ausstellung der Bayerischen Archivschule vom 29. Juni bis 30. Oktober 2020 (verlängert), bearbeitet von Thomas Gilgert, Johannes Hasselbeck, Andreas Schenker

Bild 1: Plakat zur Ausstellung (Karin Hagendorn, Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns)

Bild 1: Plakat zur Ausstellung (Karin Hagendorn, Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns)

Bild 2: Straßenbahnerwohnanlage in München, Aignerstraße 1, um 1930, Stadtarchiv München, DE-1992-FS-LBK-00423 (Foto: Stadtarchiv München).

Bild 3: Vorstellung der Nürnberger NS-Arbeitersiedlungen auf der Siedlungsausstellung in München, 1934, Stadtarchiv Nürnberg, A38_F_20_4 (Foto: Stadtarchiv Nürnberg).

Bild 4: Plakat zur Ankündigung der verhängten Zuzugssperre nach Erlangen, 24. Juni 1948, Stadtarchiv Erlangen, 684.A.56 (Foto: Stadtarchiv Erlangen).

Bild 4: Plakat zur Ankündigung der verhängten Zuzugssperre nach Erlangen, 24. Juni 1948, Stadtarchiv Erlangen, 684.A.56 (Foto: Stadtarchiv Erlangen).

Am Montag, 29. Juni 2020, wurde im Bayerischen Hauptstaatsarchiv die kleine Ausstellung „Die brennendste aller sozialen Fragen“ Kommunale Wohnungspolitik zwischen 1918 und 1954 in München, Nürnberg, Erlangen eröffnet. Die Ausstellung wurde im Rahmen der Ausbildung im Vorbereitungsdienst 2018/2020 für den Einstieg in der 4. Qualifikationsebene der Fachlaufbahn Bildung und Wissenschaft, fachlicher Schwerpunkt Archivwesen, an der Bayerischen Archivschule erarbeitet. Bearbeiter der Ausstellung sind Dr. Thomas Gilgert, Johannes Hasselbeck und Andreas Schenker.

Mangelnder Wohnraum und steigende Mieten in vielen Städten führen dazu, dass die Wohnungsfrage von vielen heute als neue soziale Frage oder sogar als die soziale Frage des 21. Jahrhunderts gesehen wird. Beengte Wohnverhältnisse begünstigen zudem die Ausbreitung von Krankheiten, wie die Covid-19-Pandemie aktuell erschreckend vor Augen führt. Neu sind diese Phänomene nicht. Schon in der Vormoderne hatten längst nicht alle Menschen ein Dach über dem Kopf. Spätestens seit der mit Industrialisierung beginnenden und bis heute andauernden Bevölkerungsexplosion in den urbanen Zentren klaffen dort Angebot und Nachfrage meist eklatant auseinander.

Die kleine Ausstellung wirft einen Blick zurück auf die kommunale Wohnungspolitik in drei entscheidenden politischen Phasen in Bayern: der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und der frühen Nachkriegszeit. Für jede dieser Perioden wird je eine Stadt, die für Bayern damals wie heute von besonderer Bedeutung und deren Wohnungspolitik damit auch beispielgebend für andere war, herausgegriffen. Die Ausstellung beginnt mit München als bevölkerungsreichstem Ort und bayerischer Landeshauptstadt für die Zeit der Weimarer Republik. Es folgt Nürnberg, das alte industrielle Herz Bayerns und besondere Schaubühne nationalsozialistischer Propaganda (vgl. dazu auch Exponat 2.2 im Online-Findmittel MF 22: " Abtretung von Staatswaldgelände zur Errichtung einer Arbeitersiedlung am Stadtrand von Nürnberg" ). In der Nachkriegszeit schließlich richtet die Ausstellung den Blick auf das fränkische Erlangen, bis dahin eine protestantisch-kleinbürgerlich geprägte Mittelstadt, die sich nach 1945 zu einem Bildungs-, Industrie- und Wohlstandszentrum entwickelte.

Anhand dieser Beispiele werden zwar aufeinander folgende, aber denkbar unterschiedliche zeitliche Kontexte behandelt, zwei Demokratien und eine totalitäre Diktatur, deren Strukturmerkmale sich auch in der kommunalen Wohnungspolitik vor Ort wiederfinden: Im München der Weimarer Republik wird die gesteigerte Bedeutung der öffentlichen Daseinsvorsorge deutlich, die völkische Blut- und Boden-Ideologie des NS-Regimes manifestiert sich in seinen Nürnberger Heimstätten- und Kleinsiedlungen und ein wesentlicher Faktor der Erlanger Wohnungsnot in der Nachkriegszeit waren die vielen dort ankommenden Flüchtlinge und Vertriebenen.  

Auf der anderen Seite zeigen sich spezifische lokale Eigenheiten der drei Orte: Die konservative Prägung der Münchner Stadtpolitik macht sich in einer traditionelleren Bauweise bemerkbar. Das Selbstverständnis Nürnbergs als „Stadt der Reichsparteitage“ findet seinen Niederschlag im offensiven Auftreten Oberbürgermeister Liebels. Die im Krieg weitgehend unzerstört gebliebene Stadtstruktur Erlangens hatte eine ungewöhnlich starke Ansiedelung unterschiedlichster Gruppen zur Folge, die nun ein neues Zuhause benötigten. Mit diesem Konzept möchte die Ausstellung den Blick für die Fragen der Gegenwart schärfen, indem sie unterschiedliche Reaktionen veranschaulicht, die das Phänomen Wohnungsnot in drei unterschiedlichen Zusammenhängen hervorrief.

  • Die kleine Ausstellung vereint etwa 40 Exponate vor allem aus den Stadtarchiven Nürnberg, München, Erlangen und dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Sie ist vom 29. Juni 2020 bis 30. Oktober 2020 (verlängert) im Hauptgebäude des Bayerischen Hauptstaatsarchivs (Treppenhaus, 1. OG), Schönfeldstraße 5, 80539 München zu sehen.
  • Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8.30–16.00 Uhr, Freitag 8.30–13.00 Uhr (Sa, So und an Feiertagen geschlossen)
  • Eintritt frei. Bitte beachten Sie die geltenden Hygieneregeln im Gebäude des Bayerischen Hauptstaatsarchivs (u.a. Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz). Führungen können leider nicht angeboten werden.
  • Weitere Informationen unter www.gda.bayern.de (Pressebilder in höherer Auflösung können angefordert werden).
  • Zur Ausstellung erscheint ein kleiner Ausstellungskatalog (ISBN 978-3-938831-95-3, Schutzgebühr 3,00 Euro).

 

Eingestellt am: 07.07.2020