Nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 beschlagnahmte das Deutsche Reich widerrechtlich die schriftliche Überlieferung der jüdischen Kultusgemeinden in Bayern. Etliche Gemeindearchive gelangten zunächst in die Obhut der Staatlichen Archive Bayerns. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Schriftgut an die Jewish Historical General Archives (JHGA), die Vorgängereinrichtung der Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) in Jerusalem übergeben. Auf diese Weise sollte die Überlieferung der jüdischen Gemeinden in Jerusalem konzentriert und den zerstörten jüdischen Gemeinden sowie ihren Mitgliedern ein würdiges Denkmal gesetzt werden.
Die Archive der jüdischen Kultusgemeinden sind wichtige und viel genutzte Quellen für Forschungen zur jüdischen Geschichte Bayerns sowie Deutschlands. Die Unterlagen spiegeln weite Bereiche des Gemeindelebens wider: von der Gemeindeleitung (Statuten und Protokollbücher) über das Wirtschaftsleben (Rechnungsunterlagen) bis hin zum Schul- und Begräbniswesen, dem Rabbinat oder der örtlichen Festkultur. Der freie digitale Zugang zu den Gemeindeunterlagen war daher ein seit langem gehegter Wunsch lokal wie international vernetzter Forscherinnen und Forscher.
Auf Initiative des Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe und mit finanzieller Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, schloss die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns 2022 eine Kooperationsvereinbarung mit den CAHJP. In einem auf fünf Jahre angesetzten Projekt werden die Unterlagen von rund 200 jüdischen Gemeindearchiven digitalisiert und online über die Findmitteldatenbank der Staatlichen Archive Bayerns zugänglich gemacht.
Der Umfang der einzelnen jüdischen Gemeindearchive ist sehr unterschiedlich. Viele Bestände kleiner Landgemeinden umfassen nur wenige Akten, andere dagegen bestehen aus 200, teilweise sogar aus mehr als 500 Archivalien. Besonders umfangreich ist die Überlieferung bedeutender Kultusgemeinden mit langer, bis in die Frühe Neuzeit zurückreichender Geschichte wie Bamberg und Fürth.
Die digitalisierten Unterlagen der jüdischen Gemeinden sind recherchierbar in der Findmitteldatenbank der Staatlichen Archive Bayerns.
Mehr Informationen zum Projektstart „Digitalisierung der Überlieferung der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern“ finden Sie in der Pressemitteilung.
Ein Online-Vortrag von Prof. Dr. Michael Brenner, Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur am Historischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, auf unserem YouTube-Kanal informiert über Geschichte und Bedeutung jüdischer Gemeindeüberlieferung in Bayern.
Das nach Ortsnamen gegliederte Themen-Portal zur Geschichte jüdischen Lebens in Bayern, gehostet vom Haus der Bayerischen Geschichte, verknüpft vielfältige Informationen.
Kontakt:
Dr. Alexis Hofmeister
Tel.: +49 (89) 28638-2614
E-Mail: poststelle@gda.bayern.de