Die Schreiber der in den Archiven verwahrten Schriftstücke hinterließen der Nachwelt textliche Informationen über ihre jeweilige Gegenwart. Seltener blieben ihre Schreibgeräte selbst erhalten. Im Staatsarchiv Bamberg wurde nun in einem Amtsbuch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Zufall ein Federkiel entdeckt, der aus der Entstehungszeit des Bandes stammt.
Harald Stark ist dem Staatsarchiv Bamberg nicht nur in seiner Funktion als ehrenamtlicher Archivpfleger für den Landkreis Kulmbach verbunden. Er gehört auch zu den langjährigen Benützern des Staatsarchivs Bamberg. Diesmal führte ihn der Auftrag in den Lesesaal, die Geschichte eines denkmalgeschützten Wohnhauses in Mainroth (Gde. Burgkunstadt) im Landkreis Lichtenfels zu untersuchen, als Grundlage für dessen Instandsetzung. Das zweigeschossige Walmdachhaus mit Freitreppe mit Sandsteinbalustrade stammt laut Denkmalliste aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert.
Harald Stark nahm zunächst in das Grundsteuerkataster des Rentamts Weismain für den Steuerdistrikt Mainroth von 1854 und in das ältere Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1810 Einsicht. Die ab 1808 entstandenen Kataster bieten grundlegende und exakte Aussagen über die Entwicklung der Anwesen, schließlich dienten sie der einheitlichen Besteuerung. Wie in den anderen bayerischen Staatsarchiven stellen sie auch im Staatsarchiv Bamberg eine sehr umfangreiche und wichtige Überlieferung dar, lassen sich damit doch vielfältige Fragestellungen verfolgen. Allein im Bestand des 1929 aufgelösten Finanzamts Weismain (K 238) - dem Nachfolger des örtlichen Rentamts - umfassen die Kataster über 530 Bände mit rund 22 laufenden Metern. In den Umschreibbüchern hielten die Beamten der königlich-bayerischen Rentämter, die für die Katasterführung zuständig waren, die Änderungen fest, die sich nach der Erstellung der Häuser- und Rustikalsteuerkataster ergaben. Beim Aufschlagen der letzten beschriebenen Doppelseite des „Häuser- und Rustikal-Steuer-Umschreibe-Buch“ des Steuerdistrikts Mainroth mit der Signatur Finanzamt Weismain (K 238), Nr. 282 entdeckte Harald Stark den Federkiel. Der Schreiber hatte ihn offensichtlich im vierten Quartal 1853 zum Anfertigen der letzten Einträge im Buch benutzt. An der Federspitze haftet noch die eingetrocknete braunschwarze Tinte.
Zum Entstehungszeitpunkt des Bandes war die Benützung von zugespitzten Vogelfedern zum
Schreiben bereits nicht mehr modern. Sie dienten in Europa vom 5. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts als gängige Schreibgeräte. In der Zeit nach 1800 erlebte die bereits im 18. Jahrhundert erfundene Stahlfeder ihren Durchbruch. Sie wurde ab 1828 in England maschinell hergestellt. Insofern kommt der Feder aus der Weismainer Amtsstube ein mehrfacher historischer Zeugnischarakter zu. Um eine sachgerechte Lagerung zu gewährleisten, wurde die Feder dem Band entnommen und unter Dokumentation der Entnahmestelle mit einer eigenen Signatur versehen und eigens verpackt (Finanzamt Weismain, K 238, Nr. 1126).

 

Johannes Haslauer

 

Dieses Fundstück ist in den Nachrichten aus den Staatlichen Archiven Bayerns erschienen, Heft 76/2019.