Historische Vermisstenbücher im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und im Staatsarchiv München

Im August 2019 übergab das Bayerische Landeskriminalamt insgesamt 57 sogenannte Vermisstenbüchern aus den Jahren 1926 bis 1985

Staatsarchiv München und Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Foto: Tanja Augustin, Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Direktor des Hauptstaatsarchivs Dr. Bernhard Grau und Präsident des Bayerischen Landeskriminalamts Robert Heimberger präsentieren zwei Exemplare der Vermisstenbücher (v.l.n.r.). Foto: Tanja Augustin, Bayerisches Hauptstaatsarchiv

„Am 27.1.76 tot aus dem Inn geborgen“ oder „am 11.11.75 in Kopenhagen aufgegriffen“ – zwei Schicksale von tausenden Personen aus Bayern, die jedes Jahr bei den Polizeidienststellen als vermisst gemeldet werden. Die meisten Vermissten werden lebend wiedergefunden, einzelne Fälle enden tragisch. Unbekannte Tote und unbekannte hilflose Menschen zu registrieren und zu identifizieren, ist eine schwierige Aufgabe der Polizei. Koordiniert werden diese Vorgänge im Sachgebiet Personenfahndung des Bayerischen Landeskriminalamts.

Im August 2019 übergab das Bayerische Landeskriminalamt drei große Kartons mit insgesamt 57 sogenannten Vermisstenbüchern aus den Jahren 1926 bis1985 an das Bayerische Hauptstaatsarchiv. Nach genauer Analyse ihrer Entstehung wurden die elf älteren Bände aus der Zeit vor 1945 allerdings an das Staatsarchiv München abgegeben. Diese Bände stammen aus einer Zeit, in der die Vermisstenbücher noch vom Polizeipräsidium München zentral für ganz Bayern geführt wurden. Für dessen Überlieferung ist das Staatsarchiv München zuständig. 

Damit steht nun eine zentrale Quelle mit Nachweisen aller in Bayern Vermissten, unbekannten Toten und unbekannten hilflosen Personen (VuT) aus rund 60 Jahren für die historische Forschung zur Verfügung. Was bis 1988 auf Papier in dicken Bänden dokumentiert wurde, wird seither elektronisch erfasst – auch diese digitalen Unterlagen werden eines Tages ins Bayerische Hauptstaatsarchiv kommen.

Die Archivierung der Vermisstenbücher ist Ausdruck der hervorragenden Zusammenarbeit der bayerischen Polizeibehörden mit den bayerischen staatlichen Archiven. Das Bewusstsein für den dauerhaften Erhalt von historisch wertvollem Verwaltungsschriftgut prägt den Kontakt zwischen den Polizeibehörden und den zuständigen Archiven. Es ist nun Aufgabe des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und des Staatsarchivs München, die neu erworbenen Vermisstenbücher zu erschließen, konservatorisch zu behandeln und den gesetzlichen Vorgaben entsprechend für interessierte Forscher zugänglich zu machen. Sollte das Landeskriminalamt den einen oder anderen Band noch einmal benötigen, weil allerletzte bislang unerledigte Vermisstenfälle doch noch aufgeklärt werden konnten, gibt es die Möglichkeit der Rückausleihe.

Im Rahmen eines Pressetermins im Bayerischen Hauptstaatsarchiv wurden die Vermisstenbücher vorgestellt und historisch eingeordnet.