10 Jahre bayerisch-tschechische Archivpartnerschaft

Festakt im Staatsarchiv Amberg im Beisein des Staatsministers für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler, MdL, und des Direktors der Archivverwaltung der Tschechischen Republik PhDr. Jiří Úlovec, Prag

Malerischer Abriss der Gegend von Furth im Wald bis Zwiesel, 1569 (von Südwesten). Anlass für diese Karte war ein Grenzkonflikt zwischen Bayern und Böhmen wegen eines neuen Eisenbergwerks bei Markt Eisenstein. Die Grenze ist rot eingetragen. Aus der Vogelschau dargestellt ist ein relativ großes Gebiet zwischen Furth i. Wald – Berg Osser – Schüttenhofen (Sušice) – Berg Rachel – Zwiesel – Bodenmais – Burg Neunußberg. Detaillierte kleine Ortsansichten zeigen u.a. strohgedeckte Bauernhäuser; teilweise sind Orts- und Flurnamen mit Hilfe eingeklebter Schildchen angebracht. Die Signatur „ME“ weist auf den Straubinger Maler Michael Eresinger († 1614) hin (Papier auf Leinwand; kolorierte Federzeichnung; ca. 33 (h) x 83 (b) cm; Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plansammlung 1916b).

Am 29. November 2019 wurde mit einem Festakt in Amberg die zehnjährige erfolgreiche Partnerschaft der Staatlichen Archive Bayerns mit tschechischen Archiven gefeiert und gemeinsam in die Zukunft geblickt. „Ein Blick in unsere Archive macht offenkundig, wie eng Bayern und Tschechien verbunden sind: Seit Jahrhunderten teilen wir eine gemeinsame grenzüberschreitende Geschichte. Die enge Zusammenarbeit unserer Archive hilft, dieses wertvolle kulturelle Erbe noch sichtbarer zu machen. Zugleich setzen die Archive ein klares Zeichen für unseren partnerschaftlichen Austausch und unsere gute Nachbarschaft. Darauf lässt sich Zukunft bauen!“, so der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler, MdL, in seinem Grußwort.

Vor zehn Jahren begründete das Kooperationsprojekt „Bayerisch-Tschechisches Netzwerk digitaler Geschichtsquellen“ die feste Zusammenarbeit der Staatlichen Archive Bayerns mit dem Gebietsarchiv Pilsen. Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts wurden historische Quellen des bayerisch-böhmischen Grenzraumes aus bayerischen und tschechischen Archiven digitalisiert und virtuell auf der eigenen zweisprachigen Präsentationsplattform „Portafontium“ im Internet (http://www.portafontium.de/) zusammengeführt.

Diese gemeinsame Plattform wurde mit dem „Tschechisch-Bayerischen Archivführer“ (2013 bis 2015) wesentlich erweitert. Der Archivführer ist als zweisprachige Online-Datenbank ein neuer Zugang zu Bohemica in bayerischen Archiven und zu Bavarica in tschechischen Archiven. Der jüngste Baustein der bayerisch-tschechischen Archivzusammenarbeit ist das Projekt „Moderner Zugang zu historischen Quellen“.

Derzeit reichen die in „Porta fontium“ erfassten Bavarica und Bohemica vom frühen 11. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit. Somit präsentiert der tschechisch-bayerische Archivführer die Überlieferung eines ganzen Jahrtausends. Die älteste nachgewiesene Urkunde datiert vom 19. April 1010: König Heinrich II. verleiht der Äbtissin Heilika und ihrem Kloster Passau-Niedernburg seinen Anteil am Zoll zu Passau und den gesamten böhmischen Zoll (München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Hochstift Passau Urkunden 25/1). „Porta fontium“ erhält ein Modul zu historischen Karten und Plänen mit einem eigenen Recherche- und Darstellungswerkzeug.

Deutsche und tschechische Forscherinnen und Forscher, die zu heimatgeschichtlichen, familien­kundlichen oder wissenschaftlichen Themen arbeiten, können sich mit diesem Webangebot jeweils in ihrer Muttersprache einen Überblick über Archive und Bestände verschaffen. Archivrecherchen können so am heimischen PC gezielt vorbereitet und grenzüberschreitende Archivreisen geplant werden. Der Zugang zu Archivgut ist damit leichter geworden. Indem die bayerischen und tschechischen Archive die gemeinsame Geschichte erfahrbar machen und zu ihrer Erforschung anregen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur europäischen Integration.