Digitalisate zur Goldenen Bulle online

Die beiden in Bayern erhaltenen Ausfertigungen der Goldenen Bulle sind seit 2013 als UNESCO-Weltdokumentenerbe registriert

Pfälzer Ausfertigung, Einzelaufnahme der Goldenen Bulle (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Kurpfalz Urkunden 1)

Nürnberger Ausfertigung, das ursprünglich an einer verloren gegangenen gelb-schwarzen Schnur abhängende Majestätssiegel mit rotem Rücksiegel liegt der Urkunde heute lose bei, die als einzige Ausführung mit einem wächsernen Siegel beglaubigt wurde (Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Kaiserliche Privilegien 129)

Nürnberger Ausfertigung, erste Seite des Libells (Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Kaiserliche Privilegien 129)

Die Goldene Bulle aus dem Jahr 1356 gilt als zentrales Dokument zur Verfassung des Alten Reichs und war bis zu dessen Ende im Jahr 1806 gültig. Der Name bezieht sich auf das in einer Goldkapsel eingefasste Siegel der Urkunde und wurde ab dem 15. Jahrhundert gebräuchlich. Nachdem es immer wieder zu Unruhen und Streitigkeiten um die Königswürde gekommen war, verfestigte Kaiser Karl IV. zusammen mit den Kurfürsten mit der in Urkundenform und in lateinischer Sprache verfassten Gesetzessammlung die Reichsstruktur. Unter Ausschluss eines Mitspracherechts des Papstes wird darin das Wahlverfahren nach dem Mehrheitsprinzip für den deutschen König durch die sieben Kurfürsten festgelegt, denen weitere wichtige Privilegien zugestanden werden.

Die ersten 23 Kapitel des Gesetzeswerkes wurden Anfang 1356 in Nürnberg beschlossen, die Kapitel 24 bis 31 Ende desselben Jahres in Metz. Wahlberechtigt waren die sieben Kurfürsten: drei geistliche (die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln) und vier weltliche (die Kurfürsten von Böhmen, Pfalz, Sachsen und Brandenburg).

Bis heute sind alle sieben Originale der Goldenen Bulle in Archiven und Bibliotheken in Deutschland und Österreich erhalten geblieben, davon zwei Exemplare in den Staatlichen Archiven Bayerns. Auf Vorschlag beider Länder wurde das Verfassungsdokument im Jahr 2013 zusammen mit der persönlichen Prunkhandschrift des Königs Wenzel als Weltdokumentenerbe in das UNESCO-Register "Memory of the World" aufgenommen.

Die zwei in Bayern erhaltenen Urkunden werden im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und im Staatsarchiv Nürnberg verwahrt:

Ausfertigung für den Pfalzgrafen bei Rhein (Pfälzer Exemplar): 

° Online-Digitalisat: BayHStA, Kurpfalz Urkunden 1

Ausfertigung für die Reichsstadt Nürnberg (Nürnberger Exemplar):

° Online-Digitalisat: StAN, Reichsstadt Nürnberg, Kaiserliche Privilegien, Urkunden 129

Literaturhinweise:

Druck: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356, bearb. von Wolfgang D. Fritz (MGH, Fontes iuris Germanici antiqui in usum scholarum XI), Weimar 1972. - Regest: Regesta Imperii VIII, 2397. - Literatur: Liermann, Hans: Die Goldene Bulle und Nürnberg, in: MVGN 47 (1956), S. 107-123; Fleischmann, Peter: Die Goldene Bulle, in: Norenbergc-Nürnberg 1050 bis 1806. Eine Ausstellung des Staatsarchivs Nürnberg zur Geschichte des Reichsstadt, München 2000, S. 58-59. Wolfgang D. Fritz (Hg.), Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356, Text. Monumenta Germaniae Historica, Fontes iuris Germanici in usum scholarum separatim editi, 11), Weimar 1972; Ulrike Hohensee/Mathias Lawo/Michael Lindner u. a. (Hg.), Die Goldene Bulle. Politik - Wahrnehmung - Rezeption. 2 Bände (Berichte und Abhandlungen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 12), Berlin 2009; Historisches Lexikon Bayern: www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45502