Fundstücke aus dem Staatsarchiv Nürnberg - Schlüssel zum Reliquienschrein des Heiligen Sebald

„Brauchbare Schlüßel“ zum Grabmal und Schrein des hl. Sebald in der Sebalduskirche in einem Leinenbeutel mit dem kleinen Nürnberger Stadtwappen, 16. Jh., Staatsarchiv Nürnberg (Foto: Doris Wörner, Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

„Brauchbare Schlüßel“ zum Grabmal und Schrein des hl. Sebald in der Sebalduskirche in einem Leinenbeutel mit dem kleinen Nürnberger Stadtwappen, 16. Jh., Staatsarchiv Nürnberg (Foto: Doris Wörner, Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

Zwei kleine Schlüssel zum Kopfreliquiar des hl. Sebald aus dem 15. Jh.; die silbervergoldete Reliquienbüste ist 1810/11 zum Einschmelzen veräußert worden, Saatsarchiv Nürnberg ((Foto: Doris Wörner, Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

Zwei kleine Schlüssel zum Kopfreliquiar des hl. Sebald aus dem 15. Jh.; die silbervergoldete Reliquienbüste ist 1810/11 zum Einschmelzen veräußert worden, Staatsarchiv Nürnberg (Foto: Doris Wörner, Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

Erstmals in aller Öffentlichkeit fand am 20. Juli 2019 in der Sebalduskirche in Nürnberg die feierliche Visitation der Gebeine des Kirchenheiligen St. Sebald statt. Anlass war der 500. Geburtstag des Grabmals aus der Werkstatt des Nürnberger Künstlers Peter Vischer d.Ä. Der imposante, äußerst kunstvolle Bronzeguss diente als Gehäuse und Schutz für den 1397 fertiggestellten Reliquienschrein, von dem vorher immer wieder Silberplättchen entwendet wurden.

Der Einsiedler Sebald lebte im 11. Jahrhundert in der Nürnberger Gegend. Sein Leichnam wurde von seinem Sterbeort nach Nürnberg transferiert. Wenige Jahrzehnte nach seinem Tod war von wunderbaren Krankenheilungen an dessen Grab die Rede, und bald verbreitete sich der Ruhm des Eremiten weit über Franken hinaus, 1425 wurde er heiliggesprochen.
Um 1275 wurde die doppelchörige Pfarrkirche St. Sebald fertiggestellt, seit 1379 werden im Ostchor die Reliquien des Nürnberger Stadtpatrons verehrt. Zwei Holzladen fassten je 18 große und 91 kleinere Knochen des Heiligen, die nachweislich seit 1463 in unregelmäßigen Abständen besichtigt wurden. Die zwanzigste Visitation am 20. Juli 2019 wurde mit einem Gottesdienst begangen, dem eine wissenschaftliche Untersuchung der Reliquien folgte. Dem Leiter des Staatsarchivs Nürnberg fiel dabei die Aufgabe zu, alle dem Schrein beiliegenden, zeitgenössischen Berichte zu edieren. Verwirrend war jedoch die Erkenntnis, dass meistens nur „S(ankt) Sebalts Haupt besehen“ wurde. Dabei handelte es sich um das 1425 anlässlich der Heiligsprechung angefertigte Kopfreliquiar aus vergoldetem Silber mit der Hirnschale des Heiligen. Nach dem Übergang der Reichsstadt an das Königreich Bayern hat man das Gefäß wie viele andere Kunstgegenstände zum Materialwert veräußert.

Erst bei der Visitation der Gebeine im Jahr 1827 fiel plötzlich das Fehlen der Hirnschale auf. Diese war dem Archivkonservatorium Nürnberg, aus dem später das Staatsarchiv hervorging, nach dem Einschmelzen der Reliquienbüste ohne viel Aufhebens übergeben worden. Schon bald konnte die Schädeldecke mit den Gebeinen im Schrein der Sebalduskirche wieder vereinigt werden.
Bei den Recherchen zur Edition stieß man auf historische Schlüssel, die 1806 in die Obhut der bayerischen Archivverwaltung übergegangen waren. Es handelt sich um Konvolute meist großer, schmiedeeiserner Schlüssel zu allen acht Stadttoren aus dem Jahr 1544. Daneben gibt es mehrere Bündel von Schlüsseln u.a. zum „Heiltum“, also zum Reliquienschrein der 1423 der Reichsstadt Nürnberg von König Sigmund übergebenen Reichskleinodien. Nur die vordersten Repräsentanten des Rats hatten Verfügungsgewalt über diese und mehrere andere Schlüssel zum Grab und zum „Sagrer“ in der Sebalduskirche. Bei einem Ortstermin mit dem Ersten Pfarrer von St. Sebald, Dr. Martin Brons, Anfang August 2020 stellte sich heraus, dass die Kirchengemeinde über Kopien der Schlüssel aus dem 19. Jahrhundert verfügte. Die originalen Schlüssel aus dem Staatsarchiv waren zwar schwergängig, doch sperrten sie immer noch den Schrein von 1397 und die Türe zur Nordsakristei. Zur allgemeinen Überraschung zeigte sich, dass einer der Schlüssel zum eisenbeschlagenen Wandschrank in der oberen Sakristei aus dem Jahr um 1380, dem ursprünglichen Aufbewahrungsort der Reliquien, passte.

Peter Fleischmann

 

Eingestellt am 07.01.2021