Fundstück aus dem Staatsarchiv Amberg

Historisches Territorium im Kartenbild – das Landgericht Sulzbach

Bild 1: Karte des kurfürstlich-pfälzischen Landgerichts Sulzbach von 1733 (Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 631) [JPG-Datei].

Bild 1: Karte des kurfürstlich-pfälzischen Landgerichts Sulzbach von 1733 (Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 631) [JPG-Datei].

Bild 2: Detailansicht des Dorfes Kirchenreinbach aus der Karte des kurfürstlich-pfälzischen Landgerichts Sulzbach (Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 631) [JPG-Datei].

Bild 2: Detailansicht des Dorfes Kirchenreinbach aus der Karte des kurfürstlich-pfälzischen Landgerichts Sulzbach (Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 631) [JPG-Datei].

Bild 3: Detailansicht der Stadt Sulzbach-Rosenberg mit der Wallfahrtskirche St. Anna und Hammerphilippsburg aus der Karte des kurfürstlich-pfälzischen Landgerichts Sulzbach (Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 631) [JPG-Datei].

Bild 3: Detailansicht der Stadt Sulzbach-Rosenberg mit der Wallfahrtskirche St. Anna und Hammerphilippsburg aus der Karte des kurfürstlich-pfälzischen Landgerichts Sulzbach (Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 631) [JPG-Datei].

Im März 2021 konnte das Staatsarchiv Amberg im Antiquariatshandel eine bislang unbekannte Karte des Landgerichts Sulzbach aus dem Jahr 1768 erwerben. Dieses Amt war Teil des Fürstentums Pfalz-Sulzbach, das seit 1733 in Personalunion mit dem Herzogtum Pfalz-Neuburg und der Kurpfalz vom späteren bayerischen Kurfürsten Karl Theodor regiert wurde.

Sowohl die Gesamtgestaltung als auch die Detaildarstellungen der handgezeichneten Karte lassen als Vorbild eine Karte von 1603 vermuten, die von dem Pfarrer Christoph Vogel im Rahmen der Landesaufnahme des Herzogtums Pfalz-Neuburg um 1600 angefertigt wurde. Diese im Bayerischen Hauptstaatsarchiv verwahrte Karte (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plansammlung 3084) kann jederzeit online zusammen mit weiteren Pfalz-Neuburger Karten auf ↗bavarikon, dem Kulturportal des Freistaats Bayern betrachtet werden:
https://www.bavarikon.de/object/bav:GDA-LAA-0000BAYHSTAPL097?lang=de

Im direkten Vergleich mit der Karte von 1603 lassen sich an der Karte von 1768 drei Besonderheiten erkennen:

Erstens wird die territoriale Darstellung um bedeutendere Orte, wie das Kloster Kastl (Markt Kastl, Lkr. Amberg-Sulzbach) im Süden oder den Markt Neuhaus a.d.Pegnitz (Lkr. Nürnberger Land) im Westen, erweitert.
Zweitens ist die Karte keine bloße Kopie, sondern zeigt bauliche Neuerungen, wie die ab 1656 errichtete Wallfahrtskirche St. Anna östlich der Stadt Sulzbach-Rosenberg und den ebenfalls um 1656 als „Hammerphilippsburg“ wiederaufgebauten Hammer bei Rosenberg (Stadt Sulzbach-Rosenberg).
Drittens fällt die im Vergleich zu den übrigen Ortschaften des Landgerichts detaillierte Darstellung der Ortschaft Kirchenreinbach (Gde. Etzelwang, Lkr. Amberg-Sulzbach) mit Schloss samt Umfriedung, Bauernhäusern und Kirche auf.

Dies ist ein wichtiges Indiz für die Ermittlung des Autors, der sich auf der Karte lediglich mit seinen Initialen „J.F.C. de M.a.K.“ nennt. Demnach muss es sich hierbei um Johann Friedrich Christian von Mühlholz (1735–1795) handeln, der das Landsassengut Kirchenreinbach im Jahr 1764 von seiner bereits verwitweten Mutter Helena Regina übernommen hatte. 1772 wurde von Mühlholz zum Pfalz-Sulzbacher Regierungsrat ernannt und 1776 von den adeligen Gutsbesitzern des Landgerichts Sulzbach zum Landsassendeputierten gewählt.

Beides zeugt von einer erheblichen Wertschätzung seiner Person sowohl durch den Landesherrn als auch seitens seiner Standesgenossen. Sein Epitaph befindet sich heute noch in der Filialkirche St. Ulrich in Kirchenreinbach.

Über die Gründe für die sicher zeitaufwändige und kostspielige Anfertigung dieser Karte kann derzeit nur spekuliert werden. Ihr sehr guter Erhaltungszustand, kaum sichtbare Gebrauchsspuren und fehlendeamtliche Vermerke lassen vermuten, dass sie nicht zum Zweck der Landesverwaltung verwendet wurde. Andererseits mag man an eine zweckfreie,private Fleißarbeit eines sicher vielbeschäftigten adeligen Gutsbesitzers auch nicht recht glauben. Das Staatsarchiv Amberg freut sich, dieses ästhetisch ansprechende, für die Landesgeschichte wichtige Dokument auf Dauer für die Öffentlichkeit sichern zu können. Es steht unter der Archivsignatur „Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 631“ für künftige Forschungen zu Verfügung.

Jochen Rösel

 

Veröffentlicht am 02.09.2022