Archiv, Bestand, Signatur

Archiv: Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Kapitel-Bezeichnung: 1451-1500
URN: urn:nbn:de:stab-3c71d552-e68a-4def-9eca-072280889be80
Bestellsignatur: BayHStA, Grafschaft Ortenburg Urkunden 1053/a

Beschreibung des Archivales

Betreff:

Notariatsinstrument über das von nobilis vir Johannes Franbriguet alias Frawberg, magnus scutifer scutiferie der Königin Maria von Frankreich, in der curia domini nostri Francorum regis Turonis errichtete Testament:

1) Das Begräbnis soll in der ecclesia parrochialis s. Petri de Vallo Turonensi vor dem Standbild der hl. Maria erfolgen.

2) Für sein Seelenheil sind 100 Messen am Todestag, desgleichen die Totenvigil mit 9 Psalmen, 9 Lesungen und großer Litanei zu halten und das ebenso am siebenten Tag danach.

3) Für die Beleuchtung am Todestag und am siebenten Tag danach sind 30 Pfund Wachs aufzuwenden.

4) Für sein Seelenheil ist eine tägliche ewige Messe in der genannten Kirche zu halten, die aus seinen nachgelassenen Gütern durch die Testamentsvollstrecker entsprechend zu dotieren ist.

5) Vom nächsten Tag nach dem siebenten Tag nach seinem Tode ist durch ein ganzes Jahr für ihn eine Messe zu lesen, und während dieser Zeit ist die Stiftung der vorerwähnten täglichen ewigen Messe von den Testamentsvollstreckern vorzunehmen.

6) Sein Diener Hamon erhält 18 Pfund Tournois, einen Leibrock, einen Mantel oder Reitrock vermacht.

7) Dem anderen Diener Johannes werden 10 Pfund Tournois, ein Leibrock, ein Mantel oder Reitrock vermacht.

8) Die beiden türkischen Decken (coperture thurri seu tharioti) aus Samt oder französischem Velours (vellox), die eine schwarz und die andere braun, sowie der veilchenblaue Mantel sind zu Paramenten (Kaseln, Stolen, Manipeln, Korporale) zu verarbeiten.

9) Die sechs schönen Tischdecken (pultie mappe) aus je vier weichen Lederstücken (alvatis) mit vier "sermetis" sollen in der genannten Kirche bei den Gotttesdiensten für ihne verwendet werden; die anderen werden armen Kirchen gegeben.

10) Heinricus de la Nef erhält für seine guten Dienste die Getreidemühle am Ufer des Ligeris bei Mailliacum, die von Matheus Alani erworben wurde.

11) Ordina Gordine erhält als Beitrag zum Heiratsgut 10 Gold-Scudi, damit sie für ihn bete.

12) Seine beiden Diener erhalten jeder 20 Gold-Scudi.

13) Seine filula Candida erhält 100 Gold-Scudi von dem, was ihm die Königin Maria schuldig ist.

14) Den Priestern Iuo Ortal und Heinricus Lieporchez ist je ein Leibrock von ihm zu geben, damit sie für ihn beten.

15) Sein consanguineus Sigismundus de Fawberger de Hag et Prunn (Primus), miles, wird als Universalerbe für den gesamten nachgelassenen Besitz und alle Einkünfte in Frankreich, Deutschland oder sonstwo eingesetzt.

16) Ältere Testamente werden hiemit widerrufen und für ungültig erkklärt.

17) Als Testamentsvollstrecker werden bestellt: Sigismundus Franberger, consanguineus noster; d. Johannes Cholet, miles, dominus de Lacholeciere et magister domus domini comitis Dunensis; magister Johannes Doloup, medicus domini nostri regis; Egidius Barbee.

S: Custos sigilli regii, quo utitur ad contractus Turonis in villa castellania.; Z: Henricus Porcher, magister Johannes Doloup, Gracianus Mortaris, Egidius Barbee.

Anmerkung in der dt. Übersetzung:

146(2) I 26 Tours:

Der Offizial zu Türon bestätigt, dass Matheus Testu, der das Testament des verstorbenen Hannsen Frawnberger, grossen druchsässen der druchsessei der Königin Maria von Frankreich, unterfertigt hat, ein dazu berechtigter "notari des reichs in dem dorff und stat Türon" ist, das Notariatszeichen auf dem Testament tatsächlich sein Zeichen und auch das Siegel an diesem dem "sigel des reichs, da da geordent zu den trefflicher sachen zu Türon und das in sölichen sachen gebraucht wirt an dem geschäfft oder geschäfft briefen" entspricht.

Laufzeit: 1461 Dezember 30
Sprache: ger
Gattung: Urkunden
Ausstellungsort: Tours

Überlieferungsgeschichte

Überlieferung:

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Provenienz:

Grafschaft Ortenburg Urkunden