Einleitung
Geschichte: Die Johanniterkommende in Würzburg entstand auf der Grundlage eines dem Orden geschenkten Spitals, das dem heiligen Oswald geweiht war und 1129 erstmals belegt ist. Wann die Übergabe an die Johanniter erfolgte, ist nicht bekannt. 1195 sind sie urkundlich im Besitz des Spitals belegt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entwickelte sich daraus eine eigenständige Kommende. Diese bestand bis zum 15. Dezember 1806, als Napoleon die Güter des Johanniterordens an den Großherzog von Würzburg übertrug. Am 24. Dezember 1806 nahmen dessen Beamte von der Kommende Besitz.
In Biebelried entstand ebenfalls in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf der Basis von Güterkäufen und -schenkungen eine eigenständige Kommende, die allerdings nicht Bestand hatte. Ende des 14. Jahrhunderts musste die Kommende aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage des Ordens mit ihrem gesamten Besitz verpfändet werden. Über verschiedene Adelige kam sie schließlich 1412 an den Würzburger Bischof Johann von Brunn, von dem sie der Orden 1418 zurückerwerben konnte. Biebelried wurde nun als sogenanntes "membrum" der Kommende in Würzburg unterstellt und fiel mit dieser 1806 an das Großherzogtum Würzburg.
Archivgeschichte: Die Archivalien der Johanniterkommende lagen im Kommendegebäude in Würzburg. Nach der verwaltungsmäßigen Angliederung der Kommende in Biebelried dürften auch deren Archivalien dorthin verbracht worden sein. Das erste erhaltene Inventar über die Urkunden und Dokumente der Kommende stammt aus dem Jahr 1606 (StA Wü, Standbuch 247). Ende der 60er Jahre des 18. Jahrhunderts wurde im Kommendegebäude ein neues Archivgewölbe eingerichtet, wovon verschiedene Repertorien zeugen (StA Wü, Standbuch 248 - 250). Ein letztes Repertorium wurde im Jahr 1794 angelegt (StA Wü, Standbuch 251 und 252). Nach der Auflösung des Ordens im Jahr 1806 wurde die Kommende noch im selben Jahr von der großherzoglichen Regierung in Besitz genommen. Die Urkunden kamen aber erst nach 1812 in das ehemalige Kreis- und spätere Staatsarchiv Würzburg.
Bestandsformierung: Für die Formierung des Fonds "Johanniterorden, Kommende Würzburg Urkunden" wurden die Urkunden der ehemaligen Johanniterkommenden Würzburg und Biebelried aus dem Bestand der "Würzburger Urkunden" herausgezogen. Anhand ihrer Rückvermerke lassen sich die Urkunden der beiden Johanniterkommenden in den meisten Fällen mit einiger Sicherheit identifizieren. Es handelt sich dabei zum einen um Signaturen bestehend aus einem Großbuchstaben und einer Nummer in lateinischen Zahlen. Diese Signaturen verweisen auf Einträge in einem um 1520 angelegten Kopialbuch der beiden Kommenden (StA Wü, Standbuch 245). Zum anderen verweisen mit roter Tinte geschriebene Zahlen auf Einträge in einem kurz nach 1769 angefertigten Repertorium über das neuangelegte Archivgewölbe in der Kommende Würzburg (StA Wü, Standbuch 249). Allerdings konnten bei weitem nicht alle in dem Repertorium aufgelisteten Urkunden ausfindig gemacht werden. Auf eine Überprüfung der Urkundensammlung des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg auf Exemplare aus dem Archiv der Johanniterkommende Würzburg wurde verzichtet. Der Fonds besteht derzeit aus 528 Urkunden.
Bestellweise: Johanniterorden, Kommende Würzburg Urkunden [Ausstellungsdatum]. Die Signatur für die Bestellung ist zudem für jede Urkunde am Beginn ihres Eintrags im Repertorium in Fettschrift angegeben.
Dr. Ekhard Schöffler