Einleitung
Johannes Eduard Bischoff wurde am 12. August 1913 in Coburg als Sohn des Lehrerseminaristen, Versicherungsmaklers und Kleinunternehmers Eduar Max Richard Bischoff und dessen zweiter Ehefrau Luciane Ottilie (genannt Lousanne) Krügel geboren. Im Alter von 15 Jahren verlor er den Vater, während die 1937 durch einen Unfall arbeitsunfähig gewordene Mutter 89jährig 1971 in Erlangen, rührend umsorgt vom Sohn, gestorben ist. Die wirtschaftlich schwierigen Jahre der Jugend prägten Bischoff zweifellos bis ins hohe Alter, was sich nicht allein in einer für seine Verhältnisse dann bescheidenen Lebensführung niederschlug, sondern, obwohl seine Ehe (Eheschließung in Coburg am 22. August 1953) mit Anna Merz aus Erlangen kinderlos geblieben ist, auch in einem ausgeprägten Familiensinn.
Schon mit 13 Jahren begann er mit der Familienforschung, die er nach Ablegung des Abiturs in Regensburg - wo seine Mutter und er von 1931 bis 1933 wohnten - und dem Umzug nach Nürnberg wohl hauptsächlich unter dem wirtschaftlichen Druck der Zeit zum Brotberuf machte (8. November 1933; Ausweis Nr. 580 als Sippenforscher). Ein ordentliches Studium konnte er trotz aller Anerkennung auch in Fachkreisen aus Mangel an Mitteln nicht absolvieren. Nach Kriegsdienst (1940 bis 1945) und kurzer amerikanischer Gefangenschaft kehrte Bischoff zu seiner nunmehr in Erlangen wohnenden Mutter zurück und unterzog sich der dreijährigen Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst, die er - bereichert um Kompenenten der staatlichen Archivausbildung - im April/Mai 1950 mit einem ausgezeichneten Ergebnis abschloss. Die Übernahme in den Dienst der Stadt Erlangen erfolgte zum 1. Oktober 1950, 1953 wurde er zum Stadtarchivar ernannt, am 1. Dezember 1970 konnte er seine Laufbahn mit der Beförderung zum Oberamtsrat krönen. Zum 31. August 1978 trat er in den Ruhestand, am 16. April 2004 ist er in Erlangen nach kurzer Krankheit verstorben.
Der Stadtarchivar Johannes E. Bischoff war nicht allein ein solider Regionalforscher mit dem Schwerpunkt auf Erlanger Stadtgeschichtsforschung und Geschichte der Hugenotten in Franken sowie Genealoge. Er war auch Lehrender und hat sicherlich manchen mit seinen unkompliziert und anschaulich vorgetragenen Ausführungen begeistert; in manchem Gremium - insgesamt gehörte er 34 Vereinen an - führte er ein klares, gleichwohl nie verletzendes Wort. Ein wesentliches Moment seiner vielfältigen Interessen bildete - zweifellos von Schwiegervater Johannes Merz, Imker bei der Erlanger Landesanstalt für Bienenzucht, beeinflusst - die Imkerei, der er sich nicht allein historisch, sondern auch praktisch widmete.
Das Wahlmitglied (seit 1951) der Gesellschaft für Fränkische Geschichte hat im Laufe seines langen Lebens sicherlich manche Not, aber in reiferen Jahren auch manche Ehrung erfahren, so 1983 das Bundesverdienstkreuz am Bande oder 1993 vom Bund für deutsche Schrift und Sprache die Goldene Ehrennadel.
Nach dem testamentarisch niedergelegten Wunsch Johannes E. Bischoffs sollte sein wissenschaftlicher Nachlass im Umfang von ca. 4 lfm im Staatsarchiv Nürnberg verwahrt werden. Die Materialien für das Historische Ortsnamenbuch bzw. für den Historischen Atlas in Bayern Stadt- und Altlandkreis Erlangen hatte er der Kommission für bayerische Landesgeschichte zugedacht. Im Jahr 2004 wurde der für das Staatsarchiv bestimmte Nachlassteil hierher verbracht und in der Folgezeit von der Archivoberrätin Ursula Schmidt-Fölkersamb verzeichnet und strukturiert. Der Nachlass spiegelt mit seinen drei großen Blöcken "Stadtgeschichte Erlangen" - worunter sich trotz weiterern Ausgreifens etwa nach Wilhelmsdorf auch seine Forschungen zur Geschichte der Hugenotten stellen lassen -, "Genealogische Forschungen" und "Imkerwesen" die drei Schwerpunkte des Bischoff'schen Lebenswerks wider. Dazu finden sich auch biographische Materialien sowie Unterlagen und Publikationen zur Regionalgeschichte (etwa des benachbarten Bayreuther Unterlandes).
Die Bibliothek mit ihren genealogischen, sprachwissenschaftlichen und historischen Fachbüchern und Zeitschriften sowie zahlreicher ortsgeschichtlicher Literatur mit einem Umfang von ca. 35 lfm wurde denr Amtsbücherei des Staatsarchivs bzw. seiner Nachbararchive in Bamberg und Würzburg eingegliedert. Dort bereits vorhandene Stücke wurden (gemeinsam mit den Doppelstücken der als Nachlass in das Staatsarchiv gelangten Bibliothek des ehemaligen Amtsvorstands Dr. Karl-Engelhardt Klaar) an das Archiv in Eger (Tschechische Republik) gegeben.
Abschließend gilt es darauf hinzuweisen, dass sechs Leitzordner seines Schriftwechsels mit dem bzw. das Stadtarchiv Erlangen betreffend, als Dauerleihgabe im Stadtarchiv Erlangen verwahrt werden.
Nürnberg, 2012
Gerhard Rechter
Literatur:
Andreas Jakob, Im Interesse der Förderung geschichtlicher Wahrheit. Johannes E. Bischoff (1913-2004), eine Bio-Bibliographie, in: Erlanger Bausteine zur Fränkischen Heimatforschung 50 (2004), S. 269-350.
Nachtrag: Vom Nachlasser wurden keine Benutzungsbeschränkungen festgelegt (vgl. Handakt 111-1.Nachlass Bischoff). Das persönliche Material (Nr. 1-29) kann im Einzelfall noch Datenschutzeinschränkungen unterliegen.