Einleitung
Die "Briefbücher", in anderen Städten häufig auch als "Missivbücher" bezeichnet, enthalten die ausgegangenen Briefe des inneren Rates, auch der Herren Älteren, in chronologischer Reihenfolge. Die Bände wurden in der städtischen Kanzlei geführt. Zahlreiche Korrekturen in den Bänden aus den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts lassen erkennen, daß es sich dabei um Entwürfe zu den ausgegangenen Briefen handelt. Später jedoch wurden in die Briefbücher Abschriften eingetragen. Bei Beginn der einzelnen Bürgermeisterfragen (= Zeiträume von vier Wochen) sind die jeweiligen Bürgermeister genannt.
In den Briefen wird häufig auf beigelegte Schreiben Bezug genommen. Diese selbst sind in den Briefbüchern jedoch nicht enthalten. Gelegentlich enthalten die Bände auch von Nürnberg ausgestellte Urkunden und Urkundenformulare. Die zugehörigen, eingegangenen Schreiben wurden nach dem in der Nürnberger Kanzlei üblichen Verfahren nach Sachbegriffen aufgeteilt und in die sog. A-, B-, C-, D- und E-Laden eingereiht. Sie sind im Gegensatz zu den ausgegangenen Briefen nur sehr unvollständig erhalten. Vorhanden sind von den Briefbüchern 360 (in Leder gebundene) Foliobände für die Zeit von 1404 bis 1738.
Band 1 trägt die alte Signatur VII. Demnach waren ursprünglich noch sechs ältere, nunmehr verlorengegangene Bände vorhanden. Weiter fehlen die alten Bandnummern 10, 12, 26, 39 und 76. Dadurch sind für folgende Zeitspannen in der Briefbuchreihe Lücken vorhanden:
1412 XI 6 - 1414 VI 5
1416 IV 17 - 1419 IV 20
1445 IV 29 - 1446 VII 13
1460 XII 25 - 1462 VIII 12
1509 X - 1510 IV 2
Ein Vorläufer der Briefbücher hat sich in dem Pergamentband "Schreiben an Auswärtige" aus den Jahren 1366 - 1383 (Amts- und Standbuch Nr.38) erhalten. Offensichtlich bringt dieser Band jedoch nur einen Teil der in der betreffenden Zeit ausgegangenen Schreiben.
Die Briefbücher enthalten von Band 6 (1423) an jeweils an der Spitze alphabetische Register der Adressaten. Für die Bände 1-191 (1404-1575 einschl.) ist eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Orts- und Personennamenkartei vorhanden. Dabei sind unter dem Stichwort "Nürnberg" auch einige wenige Sachbetreffe, wie z.B. Agenten, Gewerbe, Handel und Kirchensachen, verzettelt. In der Kartei sind nicht nur die Briefadressaten -schriften, sondern auch die in den Briefen genannten Orte und Personen erfaßt. Aus dieser Kartei gingen bei der Verlagerung im 2. Weltkrieg folgende Buchstabengruppen verloren: C - Dh, Ga - Gh, Gre - Gy, Rot - Ry.
Würdigung
Entsprechend den weitgespannten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Nürnbergs ist der Empfängerkreis der Briefe sehr ausgedehnt. Als Empfänger treten u.a. auf die deutschen Kaiser und Könige, geistliche und weltliche Fürsten und Herren, Städte und Amtleute, Gesandte der Stadt, zahlreiche Nürnberger Bürger sowie Bürger anderer Städte. Die Briefe bieten reichsten Stoff zur Reichs- und Städtepolitik, zur Wirtschafts-, Verkehrs-, Sozial-, Kunst- und Kulturgeschichte. Nürnberg steht mit dieser vollständigen, durch mehr als drei Jahrhunderte laufenden Reihe von Briefbüchern in der Spitzengruppe der wenigen deutschen Stadt, die ähnliche Briefbuchreihen besitzen. Zu diesen gehören außer Nürnberg Basel, Danzig, Köln, Konstanz und Nördlingen.
Schrifttum
Über den Begriff "Briefbücher" ("Missivbücher") allgemein, vgl.: H. O. Meisner, Urkunden- und Aktenlehre der Neuzeit (Lpzg. 1952) S. 175. - R. Wenisch, Aus dem Wortschatz der Nürnberger Ratsbriefbücher des 15. und 16. Jahrhunderts = Mitt. d. f. Gesch.
Umfangreichere Veröffentlichungen aus den Briefbüchern:
H. Simonsfeld: Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und die deutsch-venetianischen Handelsbeziehungen, Bd. I (Stuttgart 1887). Deutsche Reichstagsakten, Ältere Reihe, Band 5-17 (1882-1956); erfasst sind darin die Nürnberger Briefbücher der Jahre 1404-1444.
Peter Fleischmann, Norenberc - Nürnberg 1050 bis 1806, Tafel 63, Seite 156.