Einleitung
Akten mit der vorläufigen Bestandsbezeichnung „Oberpostdirektion Bamberg" kamen in
mehreren Schritten in das Staatsarchiv Bamberg. Zunächst übergab das Staatsarchiv Nürnberg 1988/89 ca. 1100 Akten, die es aufgrund der Auflösung des Postarchivs Nürnberg 1982 übernommen hatte, im Rahmen der Beständebereimgung an das Staatsarchiv Bamberg. Dazu kamen später neun Kartons mit Akten des ehem. Postarchivs München aus Verzeichnis 6 (Akten der Feldpost), die das Staatsarchiv München an das Staatsarchiv Bamberg sandte.
Schließlich übergab das Staatsarchiv Nürnberg 2006/2007 noch einmal ca. 600 Akten, die aufgrund von Analysen an den dortigen Abgaben des Postarchivs zuständigkeitshalber in das Staatsarchiv Bamberg gehören. Abgegeben wurden insgesamt 1775 Akten.
Diese wurden in einem ersten Schritt im Herbst 2006 und Frühjahr 2007 von Herrn Pecher verzeichnet bzw. deren Betreffe überprüft. Er stellte ferner die Provenienz fest und wies die Akten einem von Dr. Rupprecht entwickelten Aktenplan zu. Verzeichnung und Analyse wurde vom Unterzeichnenden am Original geprüft. Die Provenienzanalyse ergab folgenden Befund:
- Generaldirektion der kgl. Verkehrsanstalten, Postabteilung (2)
- Generaldirektion der kgl. bay. Posten und Telegraphen (86)
- Oberpostamtsdirektion Erfurt (45)
- Oberpostamtsdirektion Nürnberg (6)
- Oberpost- und Bahnamt Bamberg (14)
- Oberpostamt Bamberg (274 Akten)
- Oberpostdirektion Bamberg als bay. Behörde (287)
- Oberpostdirektion Bamberg als Reichsbehörde (550)
- Reichspostdirektion Bamberg (460)
- Postämter Bamberg, Bayreuth, Coburg, Helmbrechts, Kulmbach, Lichtenfels, Ludwigsstadt, Münchberg, Neuenmarkt, Neustadt b. Coburg, Pegnitz, Rodach, Stadtsteinach (73)
- Staatsbahningenieur für den Bezirk Hof (1)
Die Akten der Generaldirektion der kgl. Verkehrsanstalten bzw. kgl. Bahnen und Post werden bei nächster Gelegenheit an das Bayerische Hauptstaatsarchiv abgegeben; jene des
Oberpostamts Erfurt und der Oberpostdirektion Erfurt, für die eigentlich das Hauptstaatsarchiv Weimar zuständig wäre, sollen zunächst - da sie Postämter im Coburgischen betreffen - an das Staatsarchiv Coburg gegeben werden, wobei jedoch sowohl die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns wie auch das Hauptstaatsarchiv Weimar wegen eines möglichen Tausches informiert werden. Die Akten des Oberpostamts und der Oberpostdirektion Nürnberg gehen an das Staatsarchiv Nürnberg und jene der Postämter im Coburgischen an das Staatsarchiv Coburg.
Für die restlichen Akten erfolgte die Bestandsbildung im Staatsarchiv Bamberg. Um Vollständigkeit zu erzielen, wurden zusätzlich die beiden hier bereits vorhandenen Bestände der Postämter Münchberg (K 808) und Hof (K 803) analysiert. Während alle Akten des Bestands Postamt Hof auch tatsächlich aus dessen Registratur stammen, kamen von den 23 Akten des Bestands Postamt Münchberg nur vier auch tatsächlich aus dem Postamt, die anderen hatten die Provenienz Reichspostdirektion Bamberg.
Die Bestandsbildung auf mittelbehördlicher Ebene hat sich nach den Gegebenheiten der Behördengeschichte und der Registraturführung zu richten. 1847/51 wurden auf ministerieller
Ebene Bahn- und Postverwaltung zusammengelegt. Es entstand die Generaldirektion der kgl. Verkehrsanstalten. Dies hatte natürlich auch Konsequenzen für den mittelbehördlichen Bereich. Es wurden 1851 in Bayern acht Oberpost- und Bahnämter geschaffen, darunter auch das Oberpost- und Bahnamt Bamberg. Bis dahin war für die Poststellen in Oberfranken das
Oberpostamt Nürnberg zuständig gewesen. Zu Beginn des Jahres 1876 wurden die beiden Verwaltungszweige Post und Eisenbahn wieder getrennt. An die Stelle des Oberpost- und Bahnamts Bamberg trat nun für den Bereich Postverwaltung das Oberpostamt Bamberg mit einer Zuständigkeit für alle Post- und Telegraphenstationen in ganz Oberfranken. Mit Verordnung vom 1.4.1907 wurden die Oberpostämter in Oberpostdirektionen umbenannt.
Ein verwaltungsrechtlich entscheidender Einschnitt für die Eisenbahn- und Postverwaltung war deren Verreichlichung zum 1.4.1920. Die Behörde hieß aber weiterhin Oberpostdirektion
Bamberg und arbeitete auch in den Akten ohne ersichtlichen Einschnitt weiter. Sie unterstand jedoch von nun an der Abteilung München des Reichspostministeriums. Mit der endgültigen
Eingliederung in das Reichspostministerium 1934 änderte sich auch die Behördenbezeichnung zu Reichspostdirektion Bamberg. Diese wurden 1944/45 aufgelöst; von nun an war als
Mittelbehörde wieder die Postdirektion Nürnberg zuständig. Etliche die Postämter konkret betreffende Akten wurden offensichtlich nach 1945 an diese herausgegeben und dort
weitergeführt, so dass alle Akten des übernommenen Bestands, die eine Laufzeit nach 1945 aufweisen, bei verschiedenen Postämtern geschlossen wurden.
Bezüglich der Bestandsbildung wurde aufgrund dieser Erkenntnisse und aufgrund der Vorgabe der Trennung von bayerischen und Reichsbehörden entschieden, dass im mittelbehördlichen Bereich drei Fonds zu bilden sind: das Oberpost- und -bahnamt Bamberg (Rep. K 800); wegen der gemeinsamen Zuständigkeit für Post und Bahn) mit 14 Akten, das Oberpostamt und die Oberpostdirektion Bamberg als bayer. Behörde (Rep. K 801; bis 31.3.1920) mit 561 Akten sowie die Oberpost- und Reichspostdirektion Bamberg (Rep. P 1, ab 1.4.1920) mit 1009 Akten. Die Akten der einzelnen Postämter bilden gesonderte Fonds, werden aber wegen ihrer geringen Zahl pro Postamt in einem Sammelbestand Postämter in Oberfranken (Rep. P 2) mit derzeit 151 Akten zusammengefasst. Darin gehen nun auch die früheren Bestände Postamt Hof (K 803) und Postamt Münchberg (K 808) auf.
Der für die mittelbehördliche Ebene entwickelte Aktenplan richtete sich nach der Sachlage der übernommenen Akten. Es wurde getrennt zwischen 1. Verwaltung und Personal, 2. Haushalts-
und Kassenwesen, Geschäftsprüfung, 3. Postverkehr und Postbetrieb, 4. Telegraphenwesen, 5. Militärwesen (1. Weltkrieg). Die Masse der Akten bezog sich auf Punkt 3, der deshalb noch
einmal untergliedert wurde: 3.1 Poststalldienst, Postfuhrwesen; 3.2 Betrieb der Postagenturen, - ämter, 3.3 Postzustelldienst. Innerhalb dieser Unterpunkte wurde nach dem Alphabet der
betroffenen Orte mit Postagenturen bzw. -ämtern strukturiert.
Die Überprüfung der Verzeichnisse sowie die Tektierarbeiten übernahm sehr sorgfältig Herr Jenisch. Die Verzeichnung umfasst die laufende Nummer, den eher kurz gehaltenen Betreff, die Laufzeit der Akten, das alte Aktenzeichen sowie die Abgabe- bzw. die alte Archivsignatur.
Juli 2007
Thorsten Pecher / Dr. Klaus Rupprecht
Im Rahmen einer Abgabe des Staatsarchivs Nürnberg kamen 2020 noch einmal eine Vielzahl an Postakten an das Staatsarchiv Bamberg; 3 davon waren der Provenienz Oberpostamt/Oberpostdirektion Bamberg zuzuweisen. Sie umfassen die Nummern 1071 - 1103 dieses Bestands.
19.7.2022
Dr. Klaus Rupprecht