Einleitung
Verwaltungsgeschichte:
Nachdem der Übergang der Gebiete am Untermain an das Königreich Bayern bis 1820 vorerst abgeschlossen war, wurde auch schließlich die Forstverwaltung dort neu gegliedert. Zum 22.12.1822 trat die Neuorganisation, welcher das Forstmeistersystem zugrunde lag, in Kraft. Dies bedeutete, dass große Forstämter (die Forstämter älterer Ordnung) mit einem Forstmeister an der Spitze gebildet wurden. Sie waren in einzelne Reviere gegliedert, die wiederum von einem Revierförster mit untergebenen Forstwarten, Forstgehilfen und Waldaufsehern verwaltet wurden. Diese Revierförstereien bildeten zum großen Teil die Grundlagen für die ab 1885 neu entstehenden kleineren Forstämter. Diese Aufteilung wird auch deutlich in der Tatsache, dass viele Akten der Revierförstereien in den späteren Forstämtern weitergeführt wurden.
Bei der ersten großen Forstreform 1822 bildete man ein Forstamt Bischbrunn, dessen Sitz jedoch in Stadtprozelten war. Die ihm unterstellten Reviere waren Altenbuch, Krausenbach, Rohrbrunn, Torhaus (Bischbrunn), und die Kommunalreviere Kollenberg und Michelrieth (letzteres ab 1849).
Zum 1. 7. 1853 stand eine weitere Forstreform an. Das ehemalige Forstamt Bischbrunn mit dem Sitz in Stadtprozelten wurde nun endgültig auch in Forstamt Stadtprozelten umbenannt. Ihm unterstanden nun die Reviere Altenbuch, Bischbrunn, Krausenbach, Rohrbrunn, die vom Forstamt Aschaffenburg abgetretenen Kommunalreviere Amorbach Eichenbühl (Sitz in Miltenberg), Kirchzell (Sitz in Amorbach), Collenberg, Miltenberg, Röllbach und Marktheidenfeld (Michelrieth, das war bis 1866 ein Kommunalrevier des Forstamtes Lohr war). Das Forstamt (ä.O.) Stadtprozelten mit seinen Revieren bestand bis zur Forstreform 1885. Wie oben bereits erwähnt, entstanden im Zuge dieser Reform aus den alten Revieren selbstständige Forstämter, deren Verwaltungsgeschichte bei den einzelnen Findbüchern nachzulesen ist.
Bestandsgeschichte, Überlieferung und Abgabe ans Staatsarchiv:
Die Überlieferung beim Forstamt (ä.O.) selbst ist wenig umfangreich. Vermutlich wurden viele Akten nach 1885 im entsprechenden Forstamt weitergeführt oder an die Regierungsforstabteilung in Würzburg abgegeben, wo sie vermutlich 1945 verbrannten. Entsprechend gelangten auch die Akten, welche 1885 bereits abgeschlossen waren, erst über die jeweiligen Nachfolgeforstämter ans Staatsarchiv.
Das gleiche gilt auch für die Überlieferung der zum Forstamt (ä.O.) gehörigen Reviere. Für die Reviere Krausenbauch, Rohrbrunn und Bischbrunn ist die Überlieferung umfangreicher. Diese Akten wurden auch über das nachfolgende Forstamt z.T. aber bereits weit vor der Forstreform 2005 hierher abgegeben.
Der jetzt vorliegende Bestand Forstamt ä.O. Stadtprozelten mit seinen einzelnen Revieren ist aus zeitlich und räumlich unterschiedlichen Abgaben völlig neu zusammengestellt.
Benützungshinweise:
Dem Bestand des übergeordneten Forstamtes ist der für dieses Forstamt gültige Aktenplan vorangestellt. Die Reviere sind alphabetisch nachgeordnet. Sie gliedern sich jedoch nach einem eigenen Aktenplan, der ebenfalls vorangestellt ist. Jedoch sind alle Akten durchnumeriert. Da viele Schlagwörter sich aus diesen Aktenpläne und ihrer Obergruppen ergeben, wurde weitgehend auf die Erstellung eines Sachregisters verzichtet. Für eine sinnvolle Recherche sollten daher zuerst die Schlagworte der Aktenpläne durchgesehen werden. Auch ist zu empfehlen, die Findbücher der 1885/1888 entstandenen Forstämter durchzusehen, da, wie oben beschrieben, viele Akten weitergeführt wurden.
Würzburg, März 2010
Barbara Hellmann