Einleitung
Eintritt in den Militärdienst und Beginn der Offizierslaufbahn
Paul Ritter von Kneußl kam am 27.06.1862 in Lindau (Bayern) als Sohn des königlich bayerischen Bezirksamtmanns Johann Baptist Kneußl (gest. 06.02.1885) und seiner Frau Clara, geb. Vigl, zur Welt. Er besuchte zunächst die Gewerbe- und Industrieschule und studierte zwei Jahre an der Technischen Hochschule.
Seine militärische Laufbahn begann er am 01.10.1880 als einjährig Freiwilliger im 4. bayerischen Feldartillerie-Regiment. Nach Ablauf seiner einjährigen Dienstzeit wurde er als Unteroffizier der Reserve beurlaubt, um einen Ausbildungskurs beim Kadettenkorps zu besuchen. Anfang Oktober 1882 kehrte er als Offiziersaspirant wieder in den aktiven Dienst zurück und trat nun beim 3. Infanterie-Regiment „Prinz Karl von Bayern" ein. Als Angehöriger dieses Regiments absolvierte er in den folgenden beiden Jahren seine Offiziersausbildung an der Kriegsschule und versah anschließend seinen Dienst bei seinem Regiment, wo er ab Oktober 1889 als Regimentsadjutant diente.
Militärischer Aufstieg bis zum 1. Weltkrieg
Nachdem Leutnant Paul Kneußl von Herbst 1892 bis Herbst 1895 seine Ausbildung an der Kriegsakademie abgeschlossen hatte, die ihm die Befähigung für die Verwendung im Generalstab verlieh, kehrte er am 30.09.1895 zum 3. Infanterie-Regiment zurück. Dort übernahm er im August und September 1896 zeitweise die Führung der 1. Kompanie und war im März/April 1897 an der Musterung im Landwehrbezirk Kempten beteiligt. Ende Juni 1897 wurde er zum Kompaniechef im 2. Jäger-Bataillon ernannt und nahm erstmals an einer Generalstabsreise der Zentralstelle teil ehe er ab Anfang 1899 nacheinander in verschiedenen Generalstäben eingesetzt wurde.
Nach der Teilnahme an einem Lehrgang der preußischen Feldartillerie-Schießschule im Mai 1905 wurde er im Oktober Bataillonskommandant im Infanterie-Leibregiment, blieb jedoch noch bis Dezember des Jahres zur Dienstleistung beim Generalkommando des III. Armeekorps kommandiert. Im Dezember 1906 wurde er erneut zur Zentralstelle des Generalstabs versetzt.
Zeitgleich zu seiner Verwendung als Generalstabsoffizier begann Paul Kneußl auch seine militärische Lehrtätigkeit, indem er Anfang 1902 einen Offizierslehrkurs bei der Luftschifferabteilung übernahm, wobei er möglicherweise am 25.01.1902 eine freie Ballonfahrt machte. Ende 1906 wurde er für ein Jahr zum Mitglied der Oberstudien- und Examinations-Kommission bestimmt und ein Jahr darauf zum Direktor der Kriegsakademie und der Artillerie- und Ingenieurschule ernannt.
In den folgenden Jahren machte er weiter Karriere. Ende 1909 wurde Paul Kneußl Chef des Generalstabs des III. Armeekorps, im Herbst 1911 Kommandeur des 3. Infanterie-Regiments und im Januar 1913 stieg in den Generalsrang auf. Nach einer zweimonatigen Kommandantschaft der 8. Infanterie-Brigade wechselte er Ende März als Abteilungschef ins Kriegsministerium und wurde für die Dauer dieser Verantwortung als Staatsrat im ordentlichen Dienst angestellt. Dort erhielt er am 26.01.1914 mit der Ernennung zum Ritter des Verdienstordens der bayerischen Krone den persönlichen Adelsrang als bayerischer Ritter. Seiner Dienststellung als Staatsrat, die mit seiner Mobilmachung im Oktober 1914 ruhte, wurde er erst am 31.01.1918 mit Rücksicht auf die Verwendung im Felde enthoben.
Einsatz im 1. Weltkrieg
Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde Paul Ritter von Kneußl Kommandeur des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Brigade und zunächst am westlichen Kriegsschauplatz in Nordfrankreich und in Flandern eingesetzt. Ende März 1915 übernahm er das Kommando der 11. bayerischen Infanterie-Division und hielt sich von Mai bis November 1915 am östlichen und südöstlichen Kriegsschauplatz u.a. in Polen, Litauen und Serbien auf, wo er Anfang Juni 1915 das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens erhielt, dessen Kommandeur er ab Oktober 1915 wurde.
Nach seinem Einsatz in der Schlacht bei Verdun im Frühjahr 1916 kehrte er von Juni 1916 bis Januar 1917 an den östlichen Kriegsschauplatz zurück und war u.a. an Kämpfen in der Ukraine, Rumänien und der Walachei beteiligt. Ab April 1917 wechselte Kneußl endgültig an den westlichen Kriegsschauplatz, und wurde nach der Teilnahme an mehreren Führungskursen, die seine Einsätze an der Front unterbrachen, im Oktober 1918 als Führer des XV. bayerischen Reserve-Korps verwendet und mit der Führung des I. bayerischen Reserve-Korps beauftragt.
Ab dem 12. November erfolgte die Räumung der besetzten Gebiete und der Rückmarsch in die Heimat. Noch auf dem Rückmarsch reichte Paul Ritter von Kneußl am 14.12.1918 sein Abschiedsgesuch ein. Er starb am 16.02.1928 und wurde auf dem Waldfriedhof in München beigesetzt.
Sein Nachlass wurde dem Kriegsarchiv 1957 von seinen Erben als Depot übergeben. Er umfasst 19 Kriegstagebücher, die seine Dienstjahre von 1914-1918 im 1. Weltkrieg umfassen, sowie einen weiteren Akt.
Weitere Archivalien:
OP 11711
Militärbevollmächtigter 8
MKr 44
P I 6152-6154
P II 1244-1247, 3281-3282
P III 406
P III (Alben) 4/20, 88/10, 157/168
Staudinger-Slg. 15560, 15562, 15578
April 2022
N.N. / Dr. Alexandra Risse