Einleitung
Im vorliegenden Findbuch werden 206 Archivalien verzeichnet, die aus den Abgaben Nr. 8/2013 (14.03.2013), 2/2003 (21.1.2003) und 13/2013 (27.06.2013) stammen. Die Akten wurden allesamt vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv zuständigkeitshalber an das Staatsarchiv Würzburg abgegeben.
Behördengeschichte
Seit 1851 bestand in München die Generaldirektion der Verkehrsanstalten in München. Diese gehörte zum Ressort des Handelsministeriums. Der Generaldirektion der Verkehrsanstalten wurde 1860 die Eisenbahnbaukommission einverleibt. Somit gliederte sie sich in vier Abteilungen (Bau, Bahnbetrieb, Post, und Telegraphenwesen. Mit der Errichtung des Ministeriums für Verkehrsangelegenheiten wurde die Generaldirektion 1901 aufgelöst.
Diesen zentralen Behörden auf der oberen Verwaltungsebene stehen die Behörden der mittleren Ebene zur Verfügung.
1876 wurden zehn Oberbahnämter auf dem rechtsrheinischen Gebiet des Königreichs Bayern gebildet. Diese folgten den Oberpost- und Bahnämtern nach. Somit wurde wieder die Trennung zwischen Post und Eisenbahn auf mittlerer Ebene hergestellt. Die Oberbahnämter hatten ihren Sitz in Augsburg, Bamberg, Ingolstadt, Kempten, München, Nürnberg, Regensburg, Rosenheim, Weiden und Würzburg (vgl. GVBl. 1875, S. 647ff). Die Aufteilung der Zuständigkeiten erfolgte erstmals nicht mehr gemäß der Kreiseinteilung Bayerns, sondern wurde linear an der Streckenführung bayerischer Eisenbahnlinien eingeteilt (vgl. GVBl. von 1875, S. 682ff). Diese waren für die gesamte Verwaltung des Eisenbahnbetriebs verantwortlich.
Im Jahr 1901 erfolgte eine Umbenennung der Oberbahnämter in Eisenbahnbetriebsdirektionen. Hinsichtlich der Sprengel- und Kompetenzzuweisung finden jedoch keine Änderungen statt.
Der von der Eisenbahnbetriebsdirektion verwaltete Bezirk erstreckt sich grob von Aschaffenburg, über Gemünden am Main bis kurz vor Ansbach und Nürnberg im Süden.
In Hanns Hubert Hofmann/Hermann Hemmerich, Unterfranken, Geschichte seiner Verwaltungsstrukturen seit dem Ende des Alten Reichs 1814-1980, zeigt die Karte Nr. 39 den gesamten Zuständigkeitsbereich des Oberbahnamts Würzburg.
Mit der Errichtung der Eisenbahndirektionen im Jahr 1907 wurden die Eisenbahnbetriebsdirektionen aufgelöst.
Bestandsgeschichte:
Gemäß einem Erlass vom 24. Januar 1908 wurden die Akten des Ministeriums für Verkehrsangelegenheiten dem Eisenbahnmuseum in Nürnberg übereignet. Nach der endgültigen Auflösung der bayerischen Verwaltung der Eisenbahn im Jahr 1933 kamen noch die Akten der Mittel- und Unterbehörden hinzu.
Der gesamte Bestand der üblicherweise "Verkehrsarchiv" genannten Überlieferung von ca. 60.000 Akten beim Eisenbahnmuseum Nürnberg wurde im Jahr 1992 vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv übernommen. Dort wurden die Akten hinsichtlich ihrer Provenienz analysiert und bis zum Sommer 2013 an die jeweils zuständigen Staatsarchive aufgeteilt.
Ordnungs- und Verzeichnungsgrundsätze
Der vorliegende Bestand wurde gemäß dem Aktenplan des Oberbahnamts Nürnberg geordnet. In den Akten des Oberbahnamts und der Eisenbahnbetriebsdirektion Würzburg konnte kein eigener Aktenplan festgestellt werden. Der Aktenplan besteht aus insgesamt sechs Abteilung von A bis F. Leider sind nicht zu jeder Abteilung Akten überliefert. Diese fehlen im Inhaltsverzeichnis dieses Findbuchs. Die Abteilung E musste aufgrund der großen Anzahl von Akten noch weiter unterteilt werden. In manchen Fällen wurden Akten nicht gemäß dem Aktenzeichen sortiert, sondern an einem besseren Platz eingereiht.
Der Aktenplan wird beim Staatsarchiv Nürnberg unter der Signatur Verkehrsarchiv 37921 verwahrt. Eine digitale Kopie liegt in der Papierablage des DMS in der Registratur des Staatsarchivs Würzburg unter dem Aktenzeichen 2001-2.
Auffällig war, dass sich des Öfteren Aktenzeichen der Eisenbahndirektion Würzburg auf den Akten befanden. Dies spricht für eine kontinuierliche Aktenführung über alle Zuständigkeitsänderungen und Verwaltungsreformen hinweg.
Da das Verkehrsarchiv in älteren Publikationen des Öfteren zitiert wurde, sind die alten Signaturen, wie sie beim Eisenbahnmuseum in Nürnberg gebraucht wurden, bei jeder Verzeichnungseinheit angegeben.
Im Abgabeschreiben des Bayerischen Hauptstaatsarchivs vom 20.02.2013 (AZ des Staatsarchivs Würzburg: 2010-1/5/1) wird darauf hingewiesen, dass die Abgabe der Personalakten nicht immer gemäß dem Provenienzprinzips erfolgte. Ein Großteil der Akten wurde nach dem letzten aktiven Dienstort des Beschäftigten bei der Eisenbahnverwaltung aufgeteilt. So befinden sich beim Staatsarchiv Würzburg 98 Akten, die gemäß der Abschlussprovenienz eigentlich an die Staatsarchive in München, Nürnberg und Augsburg abgegeben werden müssten. Aufgrund des Beschlusses der Amtsleiterbesprechung vom 14.5.2014 beim Staatsarchiv Coburg werden die Akten nicht an die zuständigen Archive abgegeben, sondern verbleiben in Würzburg.
Johannes Stoiber