Einleitung
VITA (vgl. (BayHStA, OP 13365)
Dr. Artur Schohl (geb. 11.5.1887 in Pirmasens (Rheinland-Pfalz), gestorben 19.3.1918) war israelitischen Glaubens und Mitglied der jüdischen Gemeinde Pirmasens. Auf der Internetseite www.alemannia-judaica.de/pirmasens_synagoge.htm (aufgerufen am 18.7.2022) wird seiner zusammen mit anderen jüdischen Gemeindemitgliedern gedacht.
Schohl war ledig und praktischer Arzt in München. Er trat am 1.10.1909 in die Bayerische Armee ein. Patente erhielt er zum 1.12.1913 (Unterarzt in der Reserve), zum 25.4.1914 (Assistenzarzt in der Reserve) und zum 11.4.1916 (Oberarzt). Einen Monat vor seinem Tod wurde er mit einer freien Stabsarztstelle beim Lazarett auf Widerruf beliehen. An Orden und Ehrenzeichen wurden ihm am 2.6.1915 das königlich preußische Eiserne Kreuz II. Klasse und am 22.10.1915 der Militär-Verdienst-Orden 4. Klasse mit Schwertern verliehen. Nach Eintritt der Mobilmachung war er Assistenzarzt der Reserve. Schohl starb am 19.3.1918 im Feldlazarett ("Seuchenlazarett") 43 in Focsani an Fleckfieber, nachdem bereits in den beiden Jahren zuvor zunächst im April 1916 an "Fünftagefieber", dann im März 1917 an "Rückfallfieber" erkrankt war. "Schohl wurde auf dem Ehrenfriedhof in Focsani auf dem Mittelweg Grab 72 beerdigt". (BayHStA, OP 13365)
Die Einsätze Dr. Artur Schohls im Ersten Weltkrieg im Einzelnen:
Westlicher Kriegsschauplatz:
20.-22.8.1914: Schlacht in Lothringen
23.8.-14.9.1914: Schlacht von Nancy (Nancy (Dep. Meurthe-et-Moselle, Frankreich)-Épinal (Dep. Vosges, Frankreich)
23.9.-6.10.1914: Schlacht an der Somme (Fluss im Norden Frankreichs)
7.-10.10.1914: Stellungskämpfe westlich St. Quentin (=Saint-Quentin, Dep. Aisne, Frankreich)
11.10.1914-20.3.1915: Stellungskämpfe an der Somme
21.3.-9.9.1915: Stellungskämpfe an der Somme westlich Péronne (Dep. Somme, Frankreich)
Östlicher Kriegsschauplatz:
10.9.-2.10.1915: Schlacht bei Wilna (Litauen)
5.-7.10.1915 Stellungskämpfe zwischen Krewo (=Krevo, Weißrussland) - Smorgon (=Smarhon, Weißrussland) - Narocz-See (Naratsch-See, Weißrussland)
8.10.1915-18.2.1916: Stellungskämpfe zwischen Krewo-Smorgon
19.2.-17.3.1916: Stellungskämpfe Krewo-Smorgon-Narocz-See-Tweretsch (=Tverečius, Litauen)
18.3.-30.4.1916: Schlacht am Narocz-See
1.5.-1.7.1916 Stellungskämpfe zwischen Krewo-Smorgon-Narocz-See-Tweretsch
2.-7.7.1916: Julikampf am Narocz-See
8.7.-8.9.1916 Stellungskämpfe zwischen Krewo-Smorgon-Narocz-See-Tweretsch
12.9.-4.11.1916: Stellungskämpfe an der Narajowka und Zlota Lipa (=Solota Lypa, Ukraine):
- 16.-19.9.1916 Schlacht an der Narajowka (=Narajiwka, linker Nebenfluss der Hnyla Lypa in der West-Ukraine) und Zlota Lipa
- 30.9.-2.10.1916: Schlacht bei Bryczany (=Briceni, Moldawien)
Südöstlicher Kriegsschauplatz:
5.-24.11.1916: Gebirgskämpfe am Roten Turmpass
25.-30.11.1916: Verfolgungskämpfe bei Curtea de Argeș (Rumänien) -Pilesti (=Pildești (?), Rumänien)
1.-3.12.1916: Schlacht am Arges (=Argeș, Nebenfluss der Donau in Rumänien)
4.-8.12.1916: Verfolgung nach der Schlacht am Arges
9.-20.12.1916: Jalomita (=Ialomița, Rumänien), Prahova (Fluss im Süden von Rumänien) und Buzeu (=Buzău, Rumänien)
21.-27.12.1916: Schlacht bei Ramnicul Sarat (=Râmnicu Sărat, Rumänien)
28.12.1916-3.1.1917: Verfolgungskampf nach der Schlacht bei Ramnicul-Sarat
4.-8.1.1917: Schlacht an der Putna (=Nebenfluss des Sereth, Rumänien)
9.1.-27.6.1917: Stellungskämpfe an Putna und Sereth (=linker Nebenfluss der unteren Donau in Rumänien)
6.8.-3.9.1917: Durchbruchsschlacht an Putna und Șușița (Fluss im Osten Rumäniens)
4.-30.9.1917: Stellungskrieg an Sereth und Susita
ab 10.12.1917 Waffenstillstand an der rumänischen Front
Einsatzorte als Arzt:
3.8.1914-1.4.1916: Feldlazarett 32
2.-19.4.1916: krank im Lazarett
20.4.-14.6.1916: Feldlazarett 32
15.-28.6.1916: zum Landsturm-Bataillon Colmar kommandiert
29.6.-26.7.1916: Feldlazarett 32
27.7.-17.8.1916: zum Landsturm-Bataillon Colmar kommandiert
18.8.-19.9.1916: Feldlazarett 32
19.9.-17.12.1916: zum II. Feld-Artillerie-Regiment 54 kommandiert
18.12.1916-13.3.1917: Feldlazarett 32
14.-28.3.1917: krank im Lazarett
29.3.-30.5.1917: Feldlazarett 32
31.5.-12.7.1917: zum Landsturm-Bataillon IV/40 kommandiert
13.7.-11.12.1917: Feldlazarett 32
12.-16.12.1917: zum Feldlazarett 264 kommandiert
ab 17.12.1917: als Ortsarzt nach Risipili (=Risipiți, ab 1964 Milcovul, Rumänien) kommandiert
BESTANDSGESCHICHTE
In einem Karton befanden sich 13 Glasplattenschachteln, die laut Hersteller jeweils für 12 Glasplatten im Format 9 cm x 13 cm gedacht sind, wobei in den vorhandenen Glasplattenschachteln jedoch auch über 12 Glasplatten und in einem Fall zusätzlich noch Nitrozellulose-Negative im Format 12 cm x 9 cm eingeschachtelt waren. Diese Schachteln stammen von unterschiedlichen Firmen (Eisenberger Trockenplattenfabrik, Otto Kirschten, Eisenberg i. Thür.; Gesellschaft für Anilin-Fabrikation - Photographische Abteilung - Berlin; Reinhold Wittig - Rudolstadt i. Thür.; J. Hauff & Co., GmbH, Feu-erbach, Württemberg; Richard Jahr - Trockenplatten-Fabrik - Dresden-A. 16) und enthielten einheitlich Bromsilber-Gelatine-Platten, die laut Schachtelaufkleber trocken aufzubewahren und nur bei rotem Lichte zu öffnen sind. Die Glasplattenschachteln und auch die inliegenden Glasplatten waren ohne jegliche Nummerierung und erkennbare Reihenfolge.
Der Karton enthielt auch ein kleines Negativ-Album mit Druckknopf-Verschluss im Format B 15 cm x H 7 cm x T 3 cm mit 200 durchnummerierten durchsichtigen Kunststofftaschen. In diesen Kunststofftaschen steckten 200 Nitrozellulose-Negative im Format 6 cm x 6 cm bzw. 8,5 cm x 6 cm.
Die Bestellnummern 101 bis 200 sind die Negative aus dem Negativ-Album.
Die Bestellnummern 201-248 sind die Nitrozellulose-Negative aus einer der Glasplattenschachteln.
Die Bestellnummern 249-441 sind Glasplatten. Die Glasplatten sind sachgerecht in Flügeltaschen verpackt und archiviert.
Ein Bildverzeichnis bzw. eine weitere schriftliche Überlieferung von Dr. Artur Schohl liegt nicht vor.
ERSCHLIEßUNGSINFORMATIONEN
Der Bestand umfasst 293 Digitalisate. Bei den insgesamt 342 Verzeichnungseinheiten (BestNrn. 101-441) fehlen zu 49 Einheiten die Negative bzw. Digitalisate. Die Bildüberlieferung Dr. Artur Schohls ist zu 30 Prozent von verhältnismäßig geringer Qualität. Die betroffenen Aufnahmen sind oft unscharf und fehlbelichtet. Des Öfteren ist auch ein durch Schleifspuren oder im Zuge von Zerfallserscheinungen bewirkter Negativschaden festzustellen. Die Motive sind uneinheitlich und lassen ein Gesamtkonzept des Fotografen vermissen. Von Dr. Artur Schohl selbst ist im Kriegsarchiv kein einziges Porträt überliefert. Sein Aussehen, sein Gesicht können jedoch anhand seiner Bildüberlieferung vermutet werden.
Die Erschließungsarbeit folgt dem Maßstab der "beschreibenden Verzeichnung". Neben der ermittelten oder anzunehmenden Ortschaft bzw. Gegend wird der Bildinhalt wiedergegeben. Da ein Bildverzeichnis fehlt, konnten nur einige markante Gebäude oder Stadtteile über eine Internet-Recherche identifiziert werden. Ortschaft bzw. Gegend des Großteils der Bilder lässt sich nicht konkret feststellen. Entsprechend vage ist auch die zeitliche Einordnung. Anhaltspunkte für vermutete Orts- und Zeitangaben sind allein die Informationen aus dem Offizierspersonalakt Dr. Schohls. Leider ist der Großteil der Negative unsortiert. Von den Motiven her Zusammengehöriges befindet sich daher in der Reihung der Bestellnummern oft in großem Abstand voneinander.
14 im Motiv besondere Aufnahmen erhielten im Zuge der Verzeichnung den Vermerk "bemerkenswerte Aufnahme" im Feld "Interne Bemerkungen". Hierzu gehören vor allem provisorische Lazarette in französischen Fabrikhallen, Aufnahmen aus Lazaretten (u.a. ein "spartanisch" eingerichteter Operationsraum) und fotografierte Zeichnungen bzw. Wandbilder mit gehässigem Inhalt gegenüber dem französischen Feind.
Bestellweise bzw. Archivsignatur:
BayHStA, BS N 101 / Best.Nr.
(z.B. "BayHStA, BS N 101/1")
München, 29.7.2022
Heinz-Jürgen Weber