Einleitung
Der Historische Verein für Mittelfranken hat in den langen Jahren seiner Wirksamkeit eine große Zahl von Handschriften gesammelt, die [bis Mitte des 20. Jh.] in der Regierungsbibliothek [nun Staatsbibliothek] zu Ansbach aufbewahrt w[u]rden, die aber nicht, wie die Bücher des Vereins in deren Eigentum übergegangen sind. [Die Handschriften wurden in den 1970er Jahren als Depositum dem Staatsarchiv Nürnberg übergeben.] Sie zerfallen in zwei Gruppen, in alte Chroniken, Salbücher, Akten, Urkunden, die von den Mitgliedern geschenkt, von der Regierung dem Verein überwiesen oder von diesem käufliche erworben wurden, und in Abhandlungen und Arbeiten von Mitgliedern, die ihre Studien der Geschichte ihres Wohnortes oder anderen Gebieten gewidmet haben. (...)
Gewiss ist unter den Abhandlungen der Mitglieder manches, was keinen eigenen wissenschaftlichen Wert hat, auch von den Verfassern nicht mit diesem Anspruch eingesendet wurde; die Bedeutung namentlich vieler Ortsgeschichten und Pfarrbeschreibungen liegt nicht in archivalischen Forschungen - wiewohl auch diese Seite von manchen Verfassern eifrig gepflegt wurde - , sondern in den Mitteilungen über gleichzeitige Verhältnisse und Ereignisse, über Funde, Bestand an Denkmälern und dergl. Unter den Abhandlungen früherer Gelehrter hebe ich die von Hoßmann, Strebel, Stieber, Büttner, Lang hervor. Dass auch manche Bände Aufnahme fanden, die mehr Gedrucktes als Geschriebenes enthalten, wie z. B. die Ausschreibungen der Markgrafentums Ansbach, wird wohl Billigung finden, dagegen wage ich nicht zu hoffen, dass meiner Einteilung überall das Richtige getroffen hat; eine allgemein befriedigende Einteilung zu finden, dürfte nicht leicht sein. Auch manche Inkonsequenz, die ich nachträglich bemerkte, bitte ich zu entschuldigen: ein Änderung der Nummern hätte viel Arbeit gemacht und wäre mit dem Gewinn nicht im Einklang gestanden. In die große Gruppe der Ortsgeschichte habe ich alle Orte aufgenommen, die einmal zum Fürstentum Ansbach oder zum Rezatkreis gehörten oder jetzt zu Mittelfranken gehören. Man wird also manche Orte in diesem Abschnitt finde, welche jetzt in Württemberg liegen oder 1838 einen andern bayerischen Regierungsbezirk zugeteilt wurden, wie Schwaben und Neuburg, Oberpfalz, Unterfranken oder Oberfranken. Manche Handschriften behandeln kollektiv alle Orte des Gebiets oder eines Bezirks. Die ersteren habe ich vorn (Nr. 1 ff) zusammengestellt, die Berichte über einzelne Oberämter oder Landgerichtsbezirke finden sich unter dem Namen des Amtssitzes. Man wird also, wenn man sehen will, was über einen Ort, an Material vorhanden ist, nicht nur unter dem Namen desselben nachzuschlagen Haben, sondern auch unter Nr. 1-32 und unter den Namen der Amtssitze, zu denen der Ort einst gehörte oder jetzt noch gehört. Außerdem habe ich im Orts-Register S. 51 f. noch die Orte aufgeführt, die im Zusammenhang mit einem oder einigen anderen behandelt sind, die aber natürlich in der alphabetischen Reihe nicht unter ihrem Anfangsbuchstaben zu finden sind. Die Pfarrbeschreibungen, die auf Anregung von K. H. von Lang im Jahr 1807 entstanden sind, finden unter Nr. 9 vereinigt, dagegen sind die auf Anregung unseres Vereins in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts verfassten unter den Namen der einzelnen Orte zu finden.
Auf verschiedene größere Sammlungen im 1. und 2. Abschnitt möchte ich noch besonders hinweisen. So ist gleich die 1. Nummer, eine amtlich-topographische Beschreibung des ehemaligen Fürstentums Ansbach, ein für die Grenzen und für die Statistik der Gemeinden unentbehrliches Werk. Für einzelne Oberämter sind außerdem einzelne Beschreibungen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts vorhanden (Nr. 46, 47, 103, 151, 304, 317, 343), für das früher Eichstättische Gebiet aus dem 17. 0der 18. Jahrhundert (Nr. 111). Als dann das Gebiet an Bayern überging, war eine der ersten Aufgaben, die der rührige Geschichtsforscher K. H. von Lang, der spätere Gründer unseres Vereins, übernahm, eine Aufforderung an sämtliche Pfarrer, nach vorgelegtem Formular einen Bericht über ihre Pfarreien einzusenden. So sind 267 Pfarrbeschreibungen vom Jahre 1807 vorhanden, im einzelnen natürlich ungleich, die einen dürftig, manche umfangreich. Sie enthalten in der Rubrik: Merkwürdigkeiten des Bezirks, manche wertvollen Notizen über Funde u. s. w. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde dann behufs Herstellung einer Übersichtskarte an die einzelnen Landgericht ein Ausschreiben erlassen, über die Straßenzüge und Merkwürdigkeiten ihres Bezirks an die Regierung zu berichten. Die eingelaufenen Berichte wurden von der Regierung dem Verein überlassen und sind unter Nr. 18 eingereiht. Manche Landgericht (z. B. Nürnberg) haben sehr dürftige Berichte geliefert, andere sehreingehende und umfangreiche. In diese Zeit fallen auch die von den Landdekanen des Eichstätter Gebiets gefertigten Chroniken, 3 Bände die unter Nr. 113 stehen. Etwas später beabsichtigte die Bayerische Akademie der Wissenschaften mit Hilfe der historischen Kreisvereine ein historisch-topographisches Lexikon Bayerns zu bearbeiten. Das groß angelegte Unternehmen verlief im Sand. Der Historische Verein für Mittelfranken verteilte gegen 8000 Folien mit Vordruck für die einzelnen Orte, aber nur sehr wenige kamen ausgefüllt zurück und die Verarbeitung blieb in den Anfängen stecken. Näheres hierüber findet man in den Jahresberichten 7, 1f, 8, 3 f. und 19, 5. Was an Vorarbeiten vorhanden ist, findet man unter Nr. 91-21. In den vierziger Jahren wurde dann von Herrn Regierungspräsidenten von Andrian-Werburg eine Monographie Mittelfrankens angeregt und wiederum die einzelnen Ämter mit Erhebungen beauftragt. Auch dies Unternehmen blieb unvollendet (Nr. 22). Endlich sind noch einzelne autographierte Übersichten über die historisch-topographischen Merkwürdigkeiten einzelner Teile von Mittelfranken vorhanden (Nr. 23), über deren Anlass und Entstehungszeit ich keine Notizen vorfand. Das Misslingen dieser größeren Unternehmungen ist eine deutliche Warnung dafür, dass man große wissenschaftliche Aufgaben nicht durch Verwaltungsbeamte und Mitglieder historischer Vereine, die nur in Ausnahmefällen Fachgelehrte sind und neben ihrem Beruf die nötige Zeit finden können, ausführen lassen soll. Sie werden immer misslingen und viel Arbeit ist fast umsonst geopfert.
Zum Schlusse bemerke ich, dass einzelne einschlägige der Regierungsbibliothek [heute Staatsbibliothek Ansbach] gehörige Handschriften ebenfalls in dem Katalog zu finden sind. Sie sind mit einem Stern versehen. Als Anhang habe ich die wenigen Handschriften des Ansbacher Gymnasiums verzeichnet.
Ansbach, im Mai 1907
Dr. Th. Preger
Ergänzung:
Die Handschriften wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Dr. Günther Schuhmann zu einem Großteil neu verzeichnet und in eine Kartei aufgenommen. Diese war dann 2017/18 die Grundlage für die Übertragung in EDV, anfangs durch die Archivangestellte Frau Gerlinde Maushammer und dann fortgesetzt und beendet durch Herrn Johannes Jänchen M.A. im Auftrag des Historischen Vereins für Mittelfranken.
Die Erfassung in EDV beinhaltete die komplette Neuaufnahme des Schadensbildes (auf Grundlage der Standards der bayerischen Archivverwaltung) und teilweise Neuverzeichnung bzw. Ergänzung der Betreffe, Laufzeiten, äußere Beschreibung usw. Mitunter fanden sich Hinweise auf Publikationen insbesondere in den Jahrbüchern des HV, die in einem Literaturhinweis eingepflegt wurden - jedoch ist hier keine Vollständigkeit angestrebt worden. Zahlreiche Unternummern wurden genauer aufgelistet, so dass nun erstmals erkennbar wird, dass die Handschriftensammlung weitaus mehr Stücke umfasst, als anhand der Preger'schen Drucks von 1907 ersichtlich.
Vermerkt wurde dabei außerdem, wohin Stücke der Handschriftensammlung in den 1960er Jahren im Tausch abgegeben worden sind. Dies betrifft insbesondere das Archiv der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern (in Nürnberg) und das Staatsarchiv Nürnberg sowie mehrere Stadtarchive. Hierbei waren Eintragungen von Dr. Schuhmann in seinem persönlichen Exemplar des Preger'schen Drucks überaus hilfreich, das erst 2017 aus dem Nachlass Günther Schuhmans dem Archiv zur Kenntnis gelangte. Eine wertvolle Hilfe waren die freundlichen Informationen von Herrn Prof. Dr. Thomas Gerhard Wilhelmi (Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Forschungsstelle Theologenbriefwechsel), welcher die aktuellen Signaturen zu einigen wichtigen Stücken im Landeskirchlichen Archiv zur Verfügung stellte.
Nürnberg, im April 2018
Dr. Daniel Burger
Literatur:
Th. Preger, Die Handschriften des Historischen Vereins für Mittelfranken, Ansbach 1907 (HB 236 b), als Kopie im Repertorium
Rudolf Endres, Mittelfranken und sein historischer Verein (HB 400 Nr. 89)
H. Schreibmüller, Zur Geschichte des Historischen Vereins für Mittelfranken
F. Mack, Gründung und Entwicklung des Historischen Vereins für Mittelfranken