Einleitung
1. Zur Person
Hans (eigentlich Johann) Zöberlein (*01.09.1895 in Nürnberg, †13.02.1964 in München) war mit Elisabeth (auch Li(e)se oder Elise) Zöberlein, geborene Geretzhauser (*29.11.1898), verheiratet, welche im Dezember 1944 in Tegernsee verstarb. Das Paar hatte sechs Kinder: Hansjörg (*07.04.1922), Anneliese (Ali) (*25.06.1923), Rosemarie (*28./29.07.1926), Berta (*27.05.33), Erika (*20.03.1936) und Volker Hartwig (*15.05.1942).
Zöberlein wurde als Sohn eines Schusters in Nürnberg geboren und absolvierte eine Lehre zum Maurer und Steinhauer. Später bildete er sich durch den Besuch einer Baufachschule zum Architekten weiter und übte diesen Beruf in den 1920er Jahren in München aus. In dieser Zeit begann er auch mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit.
Zöberlein nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde bis zum Vizefeldwebel befördert. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse und der bayerischen Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Nach Kriegsende schloss er sich dem Freikorps Epp unter Franz Ritter von Epp an und war an der Niederschlagung der Räterepublik in Bayern beteiligt. Er zählte in den 20er Jahren zu den ersten Weggefährten Adolf Hitlers. Im November 1921 trat er in die NSDAP und in die SA ein (alte Mitgliedsnummer: 4877, neue Mitgliedsnummer seit 28.04.1925: 869). Zöberlein nahm zwei Jahre später im November 1923 am Münchener Hitler-Ludendorff-Putsch teil. Ab 1923 arbeitete er gelegentlich beim Völkischen Beobachter und der NS-Presse mit, ab 1933 hielt er im Rundfunk Lesungen und kurze Vorträge. Als Münchner Stadtrat leitete er kurzzeitig (1934/35) das unter ihm gegründete Kulturamt. Zöberlein war im SA-Kulturbetrieb tätig, bekleidete zuletzt den Rang eines SA-Brigadeführers und war zudem Träger des goldenen Parteiabzeichens der NSDAP.
Größere Bekanntheit erlangte er durch seine Tätigkeit als Buchautor und Filmregisseur. In seinen Werken „Der Glaube an Deutschland“ von 1931 und „Der Befehl des Gewissens“ von 1937 verarbeitete er seine Erlebnisse an der Westfront. „Der Glaube an Deutschland“ war eines der populärsten Bücher seiner Zeit. Adolf Hitler schrieb das Vorwort und das Buch wurde bis 1942 40 Mal aufgelegt. Der in der NS-Zeit häufig gezeigte Kinofilm „Stoßtrupp 1917“ ging daraus hervor, bei dem Zöberlein das Drehbuch schrieb und Regie führte. Er war Mitglied der Reichsschrifttumskammer sowie der Filmkammer.
Am Zweiten Weltkrieg nahm Zöberlein als Mitglied verschiedener Bombergeschwader teil und stieg bis zum Hauptmann der Luftwaffe auf. Er wurde in Norwegen (Narvik), Frankreich, Nordafrika und im Mittelmeer eingesetzt. Dafür erhielt er das Narvikschild und das Eiserne Kreuz I. Klasse. Da ihm für Letzteres jedoch die Besitzurkunde nicht ausgehändigt werden konnte, musste er um eine erneute Verleihung bitten. Im Zuge dessen wurden sämtliche Einsätze aus dem Jahr 1940 und 1941 aufgelistet (siehe Bestellnummer 17).
Am 28. und 29. April 1945 ließ Hans Zöberlein als Anführer eines Werwolf-Kommandos mehrere Einwohner des Ortes Penzberg (Lkr. Weilheim-Schongau) hinrichten, da diese die Stadt kampflos an die Alliierten übergeben wollten. Nach dem Krieg war er als Kriegsgefangener in mehreren Lagern inhaftiert. Zöberlein kam am 21. August 1945 ins Internierungslager Kornwestheim, wurde jedoch am 13. Januar 1947 ins Internierungslager Regensburg verlegt, wo er bis 24. zum Juni 1948 verblieb. Für die Veranlassung der Erschießungen in der sogenannten Penzberger Mordnacht erfolgte 1948 das Todesurteil. Vom 24. Juni 1948 bis 2. Februar 1949 befand er sich im Internierungslager Nürnberg-Langwasser. Das Oberlandesgericht München wies ein Revisionsersuchen als unbegründet zurück, wandelte aber die Strafe in lebenslange Haft um. Ihm wurden ferner die Ehrenrechte entzogen, was für ihn ein Verbot seiner Tätigkeit als Schriftsteller bedeutete. Am 2. Februar 1949 wurde er in die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim verlegt, war aber im Zuge der Untersuchungshaft auch zeitweise in Straubing untergebracht. Das Spruchkammerverfahren zur Entnazifizierung führte 1952 zur Einstufung Zöberleins als „Belasteter“. 1958 erhielt Zöberlein aus gesundheitlichen Gründen Haftverschonung und wurde entlassen.
2. Zum Bestand
Der Nachlass des NS-Autors, NSDAP-Stadtrats von München und verurteilten Kriegsverbrechers Hans Zöberlein wurde am 13. März 2012 von seiner Enkelin Renate Wagner schenkungsweise übergeben.
Ein größerer Teil der Archivalien war stark verschimmelt, weshalb schwer geschädigte Stücke entsorgt werden mussten. Bei weiteren, weniger schwer betroffenen Stücken wurden noch 2012 restauratorische Maßnahmen (Schimmelreinigung) durchgeführt. Dennoch bleibt ein Teil des Bestandes so beschädigt, dass eine Benützung nur nach besonderer Rücksprache möglich ist. Kassiert wurden aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes sowie wegen fehlender Relevanz für den Nachlass die folgenden Bücher und Sammelalben:
• Methaphysische Rundschau, Bd. 1, 1896.
• Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg: Aus meinem Leben. Für unser schwer ringendes deutsches Volk bearbeitet zum 85-jährigen Geburtstag des Herrn Reichspräsidenten von Markus Werder, Wiesbaden [1932].
• 700 Jahre Marienwerde, mit persönlicher Widmung des Kreiswarts Hein Naselang
• Rühmer, Karl: Aus deutschen Heldentagen und schwerer Not. Vaterländische Gedichte, Ebenhausen 1933.
• Politische Jugend. Eine Aussprache unter Studenten. Mit einem Vorwort von Werner Beumelberg, Oldenburg i. O./Berlin [1934].
• Gottesdienst. Gebet-und Gesangsbuch für die Erzdiözese München und Freising, 1936.
• Ulrich von Hutten. Feierstunde zur Eröffnung der Fahrt der "Alten Garde" durch den Gau Westfalen-Nord am 14. Juni 1939 in der Rudolf-Oetker-Halle in Bielefeld.
• Frenssen, Gustav: Lebensbericht, Berlin 1940.
• Männer und Ereignisse unserer Zeit, [1933] (Sammelbilderalbum, schwarz-weiß).
• Kampf um‘s Dritte Reich. Eine Historische Bilderfolge, [1939] (Sammelbilderalbum, farbig).
Der Bestand wurde im Januar 2020 verzeichnet. Die Verzeichnungstiefe erfolgte entsprechend den Erfordernissen der jeweiligen Archivalien. Dies bedeutet, dass bei „Reflexionen und Betrachtungen“, welche Zöberlein während seiner Haftzeit zahlreich verfasst hatte, die Verzeichnung nicht im Detail erfolgte. Dagegen wurden bei einigen Archivalien, beispielsweise bei der Korrespondenz ausführliche Enthält-Vermerke verfasst.
Einen Großteil des Bestandes macht Zöberleins Tätigkeit als Schriftsteller aus. Besonders zu seinem Buch „Glaube an Deutschland“ sind mehrere Manu- und Typoskripte erhalten, ebenso zum Film „Stoßtrupp 1917“. Während seiner Haft schrieb er sowohl religiöse Betrachtungen als auch Romane, Geschichten und Gedichte nieder, für welche er zumindest zum Teil nach der Haft versuchte einen Verlag zu finden.
Aus seiner Zeit als Soldat ist aus dem 1. Weltkrieg bis auf ein paar Fotografien und ein Kriegstagebuch wenig erhalten. Für den 2. Weltkrieg existieren neben Briefen auch Fotos und einige gesammelte Erinnerungen wie z.B. zwei Liederbücher für norwegische Soldaten.
Während seiner Haft korrespondierte er vor allem mit seiner Tochter Anneliese, doch auch mit anderen Verwandten und Freunden bzw. ehemaligen Kameraden. Ein immer wieder auftauchender Name hierbei ist der Hugo Schmitts, welcher wie Zöberlein selbst Mitglied des Ordens der bayerischen Tapferkeitsmedaille war.
In dem Nachlass finden sich kaum Dokumente zu Zöberleins Tätigkeit als Architekt oder als NSDAP-Stadtrat und Kulturpolitiker in München.
Zöberlein befasste sich intensiv mit Kartenlegen und Horoskopen. In seinen Aufzeichnungen hat sich eine Vielzahl von Deutungen erhalten.
Viele Unterlagen, insbesondere kleine Hefte mit Reflexionen und Gedanken, betreffen seine Haftzeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Januar 2020
Dr. Katharina Aubele, Dr. Ferdinand Sturm
Archivreferendare