Einleitung
1. Das Benediktinerkloster Wessobrunn
Das Kloster Wessobrunn soll nach einer Legende aus dem 11. Jahrhundert durch den bayerischen Herzog Tassilo III. gestiftet worden sein, der im Jahr 753 auf der Jagd in einem Wald bei Rott eine Vision gehabt haben soll, die ihn zur Gründung des Klosters veranlasste. Als wahrscheinlicher gilt allerdings eine Klostergründung durch eine ortsansässige Rotter Adelsfamilie Mitte des 8. Jahrhunderts.
Die ersten Mönche stammten aus dem Kloster Benediktbeuren, nach 788 wurde Wessobrunn karolingisches Reichskloster, um 900 fiel es dem Bistum Augsburg zu. Neben dem Männerkonvent bestand im Zeitraum 1100-1220 auch ein Frauenkonvent. Das Kloster war bis zur Säkularisation 1803 ein Zentrum für Wissenschaft und Kunstpflege. So befand sich in seinem Besitz das Wessobrunner Gebet, eines der ältesten deutschen Sprach-Denkmäler. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert erlangte Wessobrunn Bekanntheit durch bedeutende Stuckateure und Baumeister, die weit über Bayerns Grenzen hinaus bekannt waren und deren Werke heute zur 'Wessobrunner Schule' zählen.
Liste der Wessobrunner Äbte:
Äbte bis 955
Ilsung ca. 758-798/99
Adelmar 798/99-830/31
Ratmund 830/31-872/73
Adelhelm 872/73-885/86
Snello 885/86-903/04
Hatto 903/04-905/06
Sigimar 905/06-927
Benedikt I. 933 (?)-943/44
Thiento 942/43-955
Pröpste 955-1061/64
Ruthard ca. 960-?
Sigimar 2. H. 10. Jh.- vor 1013
Germanus vor 1013-?
Gunthart ?-?
Hartmann ?-?
Anselm ?- (vor 1051)
Sintbert (vor 1051)-1060/61
Äbte 1064-1803
Adalbero (1061?) 1064-1110
Sigihard 1110-1129
Adalbert I. 1129-1130
Walto 1130-1156
Norbert von Weilheim 1156-1162
Liutold 1162-1167
Konrad I. 1167-1168
Ulrich I. 1168-1173
Sigibald 1173-1199
Adalbert II. 1199-1220
Konrad II. de Menchingen 1220-1241
Walchun 1241-1254
Otto I. 1254-1260
Ulrich II 1260
Konrad II. 1260-1276
Wernher I. 1276-1280
Ulrich III. Moser 1280-1286
Marquard 1286-1306 (?)
Otto II. (?) 1294
Gebhard 1306-1313
Ulrich IV. Thaininger 1313 (?)-1324
Wernher der Greuter 1324-1364
Paul I. 1364-1384
Ulrich V. Höhenkircher 1384-1414
Eberhard Stopfer 1414-1416
Peter Poerstlin 1416-1420
Friedrich Stettner 1420-1432
Iban von Rotenstein 1432-1438
Ulrich VI. Stöckl 1438-1443
Leonhard I. Vettinger 1443-1460
Paul II. Ranck 1460-1486
Johannes Kiesinger 1486-1493
Peter II. Wittiber 1493-1498
Heinrich Zäch 1498/99-1508
Kaspar Götz 1508-1525
Wolfgang I. Kolb 1525-1533
Benedikt II. (Johannes) Jäger 1533-1562
Leonhard II. Hirschauer 1562-1571
Gregor I. Jacob 1571-1589
Benedikt III. Schwarz 1589-1598
Georg Übelhör 1598-1607
Gregor II. Prugger 1607-1655
Bernhard Gering 1655-1666
Wolfgang II. Dreitterer 1666-1671
Leonhard III. (Michael) Weiss 1671-1696
Virgil (Virgil) Dallmayr 1696-1706
Thassilo (Michael) Boelzl 1706-1743
Beda (Paul) Schallhammer 1743-1760
Ulrich VII. (Joseph Simpert) Mittermayr 1760-1770
Engelbert (Michael Kajetan Claudius) Goggl 1770-1781
Joseph (Joseph) Leonhardi 1781-1798
Johann Damaszen (Johann Ferdinand Cajetan) von Kleinmayrn 1798-1803
2. Klosterbesitz
Nach der 1752 in Kurbayern durchgeführten Güterkonskription besaß das Kloster zwei Hofmarken: Wessobrunn und Iffeldorf. Daneben über 719 Anwesen in den Landgerichten Landsberg (354), Weilheim (31), Friedberg (27), Mering (3) und in der zum Hochstift Freising gehörenden Grafschaft Werdenfels. Die Verwaltung dieser Güter erfolgte seit dem Spätmittelalter in mehreren Ämtern: Sind während des 15. Jahrhunderts neben Wessobrunn noch Penzing, Menzing, Hagenheim und auch Moorenweis als Amtssitze bezeugt, reduzierte sich im 18. Jahrhundert die Zahl der Ämter auf zwei, nämlich auf die Ämter Penzing ("Unterland") und Wessobrunn ("Oberland").
Seit dem 12. Jahrhundert sind Weingüter in Wessobrunner Besitz erwähnt, die sich bis zum 18. Jahrhundert vor allem um das Weindorf Gratsch bei Meran konzentrierten.
Außerdem sind vom Kloster abhängige Kirchen und Kapellen in Abtsried, Achselschwang, Beuren, Dettenschwang, Englmannsberg, Forst, Geretshausen, Haberskirchen, Hagenheim, Herrsching, Heuwinkel, Holzhausen, Iffeldorf, Issing, Kleinberghofen, Kreuzberg, Landsberg a. Lech, Moorenweis, Mundraching, Oberbergen, Oberfinnig, Paar, Petzenhausen, Pössing, Pürgen, Purk, Reisbach, Riedhof, Rott, St. Ottilien, Schöffelding, Schönwang, Unterstillern, Unterzell, Vilgertshofen, Walchstadt, Weilheim, Wessobrunn, Wielenbach und Wolnzach zu erwähnen.
3. Überlieferung
In dem vorliegenden Aktenbestand (221 Objekte) ist ein deutlicher Schwerpunkt auf dem geistlichen Leben festzustellen, wobei vor allem die Akten zu Ordensangelegenheiten und zu den einzelnen Äbten erwähnenswert sind. Besonders herausragend waren zudem die historischen Arbeiten der Wessobrunner Konventualen, an der Spitze Coelestin Leutner mit seiner Historia Wessofontana, zu der zahlreiche Vorarbeiten im Aktenbestand vorliegen. Daneben sind die Unterlagen zur Finanz- und Güterverwaltung und zu einzelnen Pfarreien zu nennen. Letztere beschränken sich jedoch nur auf wenige der ca. 40 vom Kloster abhängigen Kirchen und Kapellen.
Der Bestand der Amtsbücher (insgesamt 313 Objekte) setzt sich zu einem guten Teil aus Schriftgut der Güterverwaltung zusammen, besonders aus Stift- und Gültregistern bzw. -büchern (81 Objekte) und Weinrechnungen bzw. Verzeichnissen über den Weinhandel (74 Objekte).
Bei der Säkularisation des Klosters übernahm Landesarchivar Samet verschiedene Archivalien direkt ins damalige Geheime Landesarchiv. Laut Übernahmeverzeichnis befanden sich darunter sämtliche Urkunden und zahlreiche Amtsbücher, aber kein einziger Akt. Es ist anzunehmen, dass ein Teil der Akten über die Landgerichte Landsberg und Weilheim und deren Funktionsnachfolger ans Archiv gelangt ist. Für Kloster Wessobrunn Amtsbücher und Akten 398, 405, 406, 457, 458, 474-478, 507 und 523 (Archivische Altsignatur: KL Fasz. 1023, 1043 und 1101) konnte der Weg über das Archivkonservatorium München ermittelt werden.
Es ist also nur ein äußerst geringer Teil des ursprünglich umfangreichen Klosterarchivs (vgl. Kloster Wessobrunn Amtsbücher und Akten 534: Einrichtungsplan und Repertorium des Klosterarchivs Wessobrunn, 1781-1798) in die staatlichen Archive gekommen. Die wahrscheinlich der Provenienz "Kloster Wessobrunn" zuweisbaren Amtsbücher des Bayerischen Hauptstaatsarchivs mit den Altsignaturen "KL Wessobrunn, Nr. 40-41 u. 44-45 " wurden im 19. Jahrhundert an die Bayerische Staatsbibliothek abgegeben.
4. Bestandsgeschichte und Bestandsbildung
Es ist davon auszugehen, dass der gesamte Bestand an Archivalien aus der Frühzeit des Klosters im Jahr 955 im Zuge des Ungarneinfalls verlorengegangen ist. 1220 tritt erstmals ein Archivar (Konrad genannt Pozzo armarius) auf, die Verzeichnung von Urkunden reicht bis 1128 zurück. Ein Traditionscodex und ein Stiftsbuch aus dem 14. und ein (seit dem 2. Weltkrieg verschollenes) Kopialbuch aus dem 15. Jahrhundert sind die Zeugnisse erster intensiver archivarischer Verzeichnungstätigkeit. Unter dem Abt Paul II. Rank (1460-1486) wurde die Archiveinrichtung erneuert. Aus der Zeit um 1500 sind die ersten beiden Archivrepertorien erhalten. In der frühen Neuzeit wurde das Amt des Archivars gern mit dem Amt des Ökonoms in Personalunion geführt, was erklärt, dass im Bestand mehrere Objekte mit dem Titel "Rechnungen des Klosterarchivs" vorkommen. 1725 vertauschte das Kloster seine Güter im Inntal mit dem dort liegenden Stift Stams, weshalb am 26. März 1725 eine umfassende Archivalienextradition dorthin stattfand. Durch einen Beschluss des Generalkapitels der Bayerischen Benediktinerkongregation von 1738 wurde für die Klosterarchive beschlossen, dass alle Originalurkunden dort zu lagern seien und nicht in den Außenstellen, wo nur Kopien liegen sollten. In den 80er-Jahren des 18. Jahrhunderts wurde ein Archiveinrichtungsplan erstellt, der bis zur Schließung des Archivs am 5. November 1802 seine Gültigkeit hatte. Da das Archiv für die Güterverwaltung durch die Klosteradministration unverzichtbar war, wurde es jedoch wenige Monate später erneut geöffnet. Im Juni 1805 wurde der Bestand vom Geheimen Landesarchivar Franz Joseph Samet übernommen. (Vgl. dazu Andrian-Werburg, Benediktinerabtei Wessobrunn, S. 56-59.)
Der vorliegende Provenienzbestand wurde hinsichtlich seiner Akten aus Bestandteilen folgender älterer Pertinenzbestände des Bayerischen Hauptstaatsarchivs gebildet:
GL Fasz. (6 Akten)
GR Fasz. (13 Akten)
KL Fasz. (34 Akten)
KL Wessobrunn (190 Akten)
Staatsverwaltung (1 Akt)
Altbayerische Landschaft (1 Akt)
Der Amtsbuchteil des Bestandes speist sich v.a. aus folgenden Pertinenzbeständen:
KL Wessobrunn (145 Amtsbücher)
KL Fasz. (130 Amtsbücher)
Briefprotokolle Gericht Weilheim (31 Amtsbücher)
Lehenregistratur (7 Amtsbücher).
5. Provenienz
Außer der Provenienz "Kloster Wessobrunn" fand sich die Provenienz "Klosteradministration Wessobrunn" (ab 1803) vereinzelt mit Nachträgen durch das "Stadt- und Landgericht Schongau" oder das "Landgericht Weilheim". Des Weiteren tauchte "Kloster Wessobrunn, Hofmarksgericht Wessobrunn" als eigenständige Provenienzstelle auf, während die Hofmark Iffeldorf nicht als eigene Provenienz auftritt. Daher ist anzunehmen, dass in den Hofmarken des Klosters - außer dem Hofmarksgericht Wessobrunn - keine eigenen dauerhaften Verwaltungsstellen mit eigenständiger Registratur bestanden haben.
Die Überlieferungssituation lässt annehmen, dass die - wohl teilweise von Wessobrunner Konventualen geleiteten - Verwaltungsstellen ihre Unterlagen entweder direkt im Kloster aufbewahrt oder zumindest doch regelmäßig dorthin eingeliefert haben. So lassen sich auch die in einigen Fällen nachweisbaren Kontrollvermerke der jeweiligen Äbte erklären. Die die Tiroler und Südtiroler Besitzungen betreffende Überlieferung ist im Bestand Wessobrunn ebenfalls erstaunlich umfangreich, v.a. im Bereich der Rechnungen. Die hauptsächliche Verwaltung geschah hier durch Prokuratoren oder Faktoren vor Ort, die jedoch durch regelmäßige Besuche von Wessobrunner Konventualen, z.T. sogar der Äbte, kontrolliert wurden. So dürfte sich erklären, dass die Rechnungen auch in die Klosterregistratur kamen.
6. Hinweise zur Benutzung
Bestellsignatur: Kloster Wessobrunn Amtsbücher und Akten [Nr.]
Weitere Bestände im BayHStA, welche Archivalien zum Kloster Wessobrunn beinhalten:
- Kloster Wessobrunn Urkunden
- Kurbayern Geistlicher Rat, Aufsicht über die Klöster
- Kurbayern HK Archivalien
- Selekt Plansammlung Nr. 4557-4558, 5468-5474, 5521-5533, 5648-5653 & 6242-6243 ('Augenscheine' der Wessobrunner Schwaigen)
- KL Scheyern 204-208 & 216 (Protokolle der Benediktinerkongregation)
- KL Benediktbeuern 125/I-III (Annalen der Bayerischen Benediktinerkongregation)
7. Weiterführende Literatur
- Andrian-Werburg, Irmgard Freifrau von, Das Bistum Augsburg 2. Die Benediktinerabtei Wessobrunn, in: Germania Sacra, Bd. 39, Berlin, u.a., 2001.
- Hölzl, Konrad, Die Säkularisation des Klosters Wessobrunn, Wessobrunn, 2002.
- Höppl, Reinhard, Die Traditionen des Klosters Wessobrunn, München, 1984.
- Höppl, Reinhard, Fragmente eines Wessobrunner Nekrologs aus dem 12. Jahrhundert, in: Grundwissenschaften und Geschichte. Festschrift für Peter Acht, Kallmünz, 1976. S. 120-127.
- Winhard, Wolfgang, Die Benediktinerabtei Wessobrunn im 18. Jahrhundert, München, Zürich, 1988.
2008 / 2016 Stefanie Albus, Nicole Finkl, Michael Unger, Ferdinand Sturm