Einleitung
1 Das Hammerwerk Schwarzenhammer
Das Hammerwerk Schwarzenhammer geht wohl auf eine der Gründungen Albrecht Nothafts zu Thierstein zurück, der 1368 entlang der Eger verschiedene Metallverarbeitungsstätten anlegen ließ, so z.B. auch den Kaiserhammer und den Hendelhammer. Alle drei Hammerwerke waren zumindest seit Ende des 15. Jahrhunderts bzw. Mitte des 16. Jahrhunderts im Besitz der Familie Kaiser/Kayser. Zeitweise hieß der Schwarzenhammer daher auch "mittlerer Kaiserhammer", erst seit der Tätigkeit des Hammermeisters Hans Schwarz um 1550 wurde der jetzige Name geläufig. Neben dem Hammerwerk wurde am Fluss spätestens 1573 auch eine Mühle eingerichtet, die jedoch im Dreißigjährigen Krieg ebenso wie der Hammer zerstört wurde. 1679 ließ Andreas Kayser Hammerwerk samt Schneidemühle wieder aufbauen, 1687 teilte er den Besitz mit Hans Wilhelm Kayser auf. 1730 verkaufte Hans Wilhelm seinen Teil, der im wesentlichen aus der Mühle bestand, an Johann Küspert, und 1747/48 ging der andere Teil in das Eigentum des Tröstauer Hammerherrn Wolfgang Heinrich Schreider über. Das Hammerwerk arbeitete bis 1862, stellte dann trotz eines kurz zuvor modernisierten Hochofens den Betrieb ein und wurde recht schnell abgetragen, während die Mühle bis 1920 unterhalten wurde.
Mit dem Ende der Eisenverarbeitung begann in der ganzen Region die Ära der Porzellanherstellung. 1905 gründeten Christoph Schumann und August Schreider auf dem Gelände des ehemaligen Hammerguts eine Porzellanfabrik, die zunächst mit Massenware und dann auch mit Qualitätsporzellan reüssierte. Das Hammerwerk wurde nun zum Hammerschloss, doch mit dem regionalen Niedergang des Industriezweigs in den 1980/90er-Jahren musste auch die Fa. Schumann und Schreider 1986 ihre Pforten schließen.
2 Die Überlieferung
Auch nach dem Ende der Porzellanverarbeitung in Schwarzenhammer wurden das Schriftgut des ehemaligen Hammerwerks weiterhin in einer Kiste im Hammerschloss aufbewahrt. Im Jahr 2020 erwarben Alois Zeller aus Berlin und seine Frau das unter Denkmalschutz stehende Hammerschloss inklusive des kleinen Archivs, das sie zur fachgemäßen Verwahrung dem Staatsarchiv übergaben. Hier wurden die Unterlagen vom Archiv- und Heimatpfleger des Landkreises Kulmbach, Harald Stark, auf Vorschlag Herrn Zellers dankenswerterweise gesichtet, gereinigt, sortiert, verzeichnet und verpackt. Eine geringfügige Nachbearbeitung, u.a. die Struktierung nach einem einstufigen Aktenplan, erfolgte durch Dr. Johannes Staudenmaier.
3 Der Bestand
Das "Gutsarchiv Schwarzenhammer" umfasst nun 48 Einheiten mit einer Laufzeit zwischen 1548 und 1930. Der Schwerpunkt der Überlieferung liegt dabei auf dem 18. Jahrhundert und dokumentiert im Wesentlichen die Geschichte und Verwaltung des Hammerguts seit dem Erwerb durch Wolfgang Heinrich Schreider im Jahr 1748, berührt aber auch immer wieder das Schreider'sche Hammerwerk in Tröstau. Punkt 6 der Gliederung umfasst gewissermaßen als kurzer Epilog die Gründungszeit der Porzellanfabrik.
4 Ergänzende Überlieferung
Im Staatsarchiv können ergänzend die Unterlagen der Regierung von Oberfranken sowie der Forstämter Marktleuthen und Selb herangezogen werden. Bezüglich der Zeit vor 1800 ist auf die Überlieferung des Markgraftums Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth zu verweisen.
Das Archiv der Porzellanfirma Schumann und Schreider wird im Zentralen Archiv für die Deutsche Porzellanindustrie (ZADP) im Porzellanikon in Selb aufbewahrt.
5 Literatur
Arzberger, Dieter: Mühlen und Müller im Sechsämterland (Selber Hefte, Bd. 10). Selb 2006, hier v.a. S. 236-239
Hofmann, Roland: Die Hammerwerke an der Eger zwischen Marktleuthen und Hohenberg (Selber Hefte, Bd. 3). Selb-Erkersreuth 1980
Schelter, Christian; Zeitler, Karl-Heinz: Kaiser- und Schwarzenhammer. Aus der Ortsgeschichte (Markt Thierstein. Schriftreihe zur Orts- und Heimatgeschichte, Bd. 13). Thierstein 1998
Dr. Johannes Staudenmaier
Bamberg, August 2021