Einleitung
I. Georg Friedrich (Freiherr von) Zentner
Georg Friedrich Zentner (Häufig wird er nur Friedrich (von) Zentner genannt) wurde am 27. August 1752 in Straßheim bei Meppenheim als jüngster Sohn des Bauern Franz Zentner und seiner Ehefrau Maria Theresia, geb. Steinbach, geboren. Den ersten Unterricht empfing er im Hauses seines ältesten Bruders Franz, der als Regierungsrat in Mannheim wirkte (Franz Zentner war wirklicher Regierungsrat, Hofgerichtsrat und beigeordneter Stadtdirektor in Mannheim.). 1766 wechselte Georg Friedrich Zentner auf das Jesuitenkolleg in Heidelberg, das er mit einer Disputation "ex universa philosophia" verließ. Anschließend vervollkommnete er 1 1/2 Jahre lang in Metz seine französischen Sprachkenntnisse und wechselte dann zum Studium der Philosophie an die Universität Heidelberg. Daran schlossen sich ein Studium der Rechtswissenschaften und der Reichsgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen an. Für kurze Zeit erfuhr Georg Friedrich Zentner eine praktische Ausbildung am Reichskammergericht in Wetzlar. 1777 wurde Zentner mit 25 Jahren zum o.ö. Professor für Staats- und Fürstenrecht und für Reichsgeschichte an der Universität Heidelberg ernannt. Der pfälzische Kurfürst Karl Theodor genehmigte ihm eine zweijährige Studienreise, die Zentner mehrmals nach Göttingen führte und 1779 ihren Abschluß in der Promotion Zentners zum "Doctor iuris utriumgue" mit der Note "Summa cum laude" an der bayerischen Landesuniversität Ingolstadt fand. 1779 wurde Zentner von Kurfürst Karl Theodor, der seit 1778 auch bayerischer Kurfürst war, zum kurfürstlichen Regierungsrat und einige Zeit später zum wirklich frequentierenden Regierungsrat ernannt; er hatte bei Territorialdifferenzen und bei staatsrechtlichen Fragen öfters Gutachten zu erstatten. 1779 heiratete Zentner die Heidelbergerin Christine Hoffstadt, die ihm 1780 die später mit Regierungsrat von Ringel verehelichte Tochter Caroline und 1789 den bereits 1809 verstorbenen Sohn Franz schenkte. 1780 wurde Georg Friedrich Zentner als außerordentliches Mitglied und 1783 als ordentliches Mitglied in die historische Klasse der Mannheimer Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Während des Reichsvikariates 1792 erhob Kurfürst Karl Theodor Georg Friedrich Zentner und seinen ältesten Bruder Franz in den erblichen Reichsadels stand mit dem Titel "Edler von Zentner des Heiligen Römischen Reichs Ritter". Noch im gleichen Jahr 1792 nahm Georg Friedrich von Zentner an der kurfürstlichen Gesandtschaft zur Kaiserkrönung in Frankfurt teil. Weitere diplomatische Missionen Zentners während der Regierungszeit Kurfürst Karl Theodors waren die Teilnahme an den Baseler Friedensverhandlungen 1795 sowie am Kongress von Rastatt 1797, an dem er als Legationsrat teilnahm. Kurfürst Max IV. Joseph ernannte Zentner bald nach seinem Regierungsantritt 1799 zum Geheimen Referendar im Geistlichen Departement und dann im Auswärtigen Departement. An der Instruktion des Jahres 1802, die die Aufhebung der bayerischen Klöster einleitete, war Zentner maßgeblich beteiligt (Zum Wirken Zentners bei der Säkularisation: Eberhard Weis, Die Säkularisation der bayerischen Klöster 1802/03. Neue Forschungen zu Vorgeschichte und Ergebnissen. Vorgetragen an 2. Juli 1982 (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften philosophisch-historische Klasse Jahrgang 1983, Heft 6), München 1983, insb. S. 36f.). In dem 1808 errichteten Innenministerium wurde Zentner zum Vorstand der Sektion Erziehung und Unterricht ernannt. Anläßlich der Umwandlung des Geheimen Rates in den Staatsrat und der Umgestaltung des Gesamtministeriums 1817 erhielt Zentner die Ernennung zum Wirklichen Staatsrat und zum Generaldirektor des Innenministeriums (Innenminister war Graf Thürheim.), dessen Geschäftsbereich er bereits seit 1810 versah. In den folgenden Jahren war Georg Friedrich von Zentner maßgeblich an der staatlichen Neuordnung Bayerns beteiligt; hier sei vor allem an die Bearbeitung und Zusammenfassung der bayerischen Verfassung von 1818 und an das Gemeindeedikt erinnert. Dies trug ihm nicht nur die Ehrenbürgerwürde der Stadt München, sondern auch das Großkreuz des Zivilverdienstordens und nicht zuletzt auch die Erhebung in den erblichen Freiherrenstand durch König Max I. Joseph im Jahre 1819 ein. Für seine Verdienste bei der Ministerialkonferenz in Wien in der Folge des Wiener Kongresses wurde Zentner 1820 zum Staatsminister mit Sitz und Stimme im Ministerrat und 1823 zum Staatsminister der Justiz ernannt, 1827 zusätzlich auch mit dem Ministerium des Königlichen Hauses und des Äußeren betraut. Als erster nicht adelig Geborener wurde Zentner anläßlich seines 50jährigen DienstJubiläums mit dem Hubertusorden ausgezeichnet. 1831 zog sich Zentner schließlich aus Altersgründen aus seinen Ämtern zurück und starb am 20. Oktober 1835 im Alter von 83 Jahren.
II. Friedrich Jakob von Zentner und Friedrich Emanuel Ritter von Zentner
Friedrich Jakob von Zentner wurde am 5. Mai 1777 in Mannheim als Sohn des Regierungs- und Hofgerichtsrates (später auch Oberappellationsgerichtsrates) Franz (von) Zentner, des ältesten Bruders Georg Friedrich (von) Zentners, geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums und im Anschluß an ein philosophisches Studium in Heidelberg widmete sich Friedrich Jakob von Zentner dem Studium der Geometrie und Baukunst in Heidelberg und besuchte die dortige Kameralschule. 1796 wurde er auf Bitten seines Vaters Franz von Zentner von Kurfürst Karl Theodor als Conducteur in das Ingenieur-Corps aufgenommen. Als Oberleutnant beim Generalstab wurde Friedrich Jakob von Zentner 1804 von Kurfürst Max IV. Joseph zum Capitain (=Hauptmann) und 1808 zum Major beim Generalstab befördert. 1817 ernannte ihn König Max I. Joseph zum Ministerialrat im Königlichen Staatsministerium der Justiz. 1824 wurde der bisher im Rang eines Oberst beim Generalstab stehende Friedrich Jakob von Zentner zum Generalmajor und Kommandanten der Stadt und Feste Forchheim ernannt. 1837 beförderte König Ludwig I. ihn zum Generalleutnant und 1838 zum wirklichen Generalleutnant. 1839 wurde Friedrich Jakob von Zentner pensioniert. Er starb am 29. Januar 1847 in München, wo er am 1. Februar den militärischen Gepflogenheiten entsprechend beerdigt wurde. Zentner war nur Träger des "Militärdenkzeichens". Friedrich Jakob von Zentner war verheiratet mit Anna Gräfin Topor-Morawitzky. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor; der Werdegang des älteren Sohnes Friedrich Emanuel Ritter von Zentner wird noch dargestellt, eine Tochter namens Theodora war beim Tod des Vaters 1847 noch unversorgt. Friedrich Emanuel Ritter von Zentner wurde als "älterer" Sohn Friedrich Jakob von Zentners am 25. Juli 1808 in München geboren. 1818 fand er auf Bitten seines Vaters Aufnahme im Kadettenkorps, dessen Lehrkurs er absolvierte. 1829 ist Friedrich Emanuel von Zentner als Junker im 9. Infanterieregiment nachweisbar, 1830 wurde er zum Unterleutnant ernannt. 1834 trat er in griechische Dienste. In Athen war Friedrich Emanuel von Zentner u.a. auch als Direktor der polytechnischen Schule tätig. 1837 erhielt er das "Denkzeichen" der Freiwilligen und wurde mit dem silbernen Ehrenkreuz des griechischen Erlöserordens ausgezeichnet. Seine Tätigkeit als Direktor der polytechnischen Schule in Athen trug ihm nicht zuletzt auch das Ritterkreuz des Kgl. Sizilianischen Ordens Franz I. im Jahre 1844 ein. 1845 kehrte Friedrich Emanuel von Zentner nach Bayern zurück und wurde beim 14. Infanterieregiment wieder angestellt. 1847 wurde er zum Generalquartiermeisterstab versetzt, 1848 zum Hauptmann 2. Klasse und 1839 zum Hauptmann 1. Klasse beim 1. Infanterieregiment bestellt. 1855 erfolgte die Ernennung Zentners zum Major beim 1. Infanterieregiment. 1858 wurde er zum Platzstabsoffizier bei der Kommandantschaft Augsburg ernannt und 1859 zur Kommandantschaft Landau (Regierungsbezirk Rheinpfalz) versetzt. 1863 wurde Zentner zum Oberstleutnant befördert und im Jahre 1870 pensioniert. Während eines Erholungsaufenthaltes in Cannstatt (Königreich Württemberg) starb Friedrich Emanuel von Zentner am 2. April 1872. Im Jahre 1862 heiratete Friedrich Emanuel Ritter von Zentner die Kaufmannstochter Katharina Philippine Köbig aus Homburg. Die kinderlose Ehe wurde bereits 1867 rechtsgültig geschieden, Katharina heiratete in zweiter Ehe in Stuttgart den Advokaten und Schriftsteller Gustav von Struve, der 1848 auch als politischer Agitator hervorgetreten war.
III. Erwerbung des Nachlasses Zentner
Der Nachlaß "Georg Friedrich Freiherr von Zentner" konnte im Jahre 1968 durch den Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, Prof. Dr. Heinz Lieberich, von der letzten Trägerin des Namens von Zentner, der akademischen Malerin Wilhelmine von Zentner, als Schenkung für das Bayerische Hauptstaatsarchiv erworben werden. Diese "Familienpapiere" wurden dem Allgemeinen Staatsarchiv zur Verwahrung überwiesen und dort in den Bestand "Personenselekt Cart. 522a" mit dem Vermerk "Nachlaß Zentner (?)" (Repertoriumseintrag) eingereiht. Der kleine Nachlass, bestehend aus 11 Urkunden, 2 Aktenstücken und 1 Stammbaum, erstreckt sich auf die Zeit 1779 bis 1836 und enthält vor allem Adelsdiplome für Georg Friedrich von Zentner, Lehenurkunden für Georg Friedrich von Zentner und seinen Enkel Friedrich Georg Joseph Maria von Ringel, des weiteren für den 1817 zum Ministerialrat im Königlichen Staatsministerium der Armee ernannten Friedrich Jakob von Zentner drei (militärische) Ernennungspatente sowie zwei Quittungen. Im Jahre 1992 wurde der vorliegende "Nachlass Georg Friedrich Freiherr von Zentner" aus dem Bestand Personenselekt herausgelöst und zuständigkeitshalber an die Abteilung V (Nachlässe und Sammlungen) des Bayerischen Hauptstaatsarchives abgegeben.
Der umfangreichere Nachlass Georg Friedrich von Zentners - ebenfalls ein Teilnachlass - befindet sich in fünf großen Schachteln in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.
IV. Literatur
- Allgemeine Deutsche Biographie ADB
- Bosl's Bayerische Biographie. 8000 Persönlichkeiten aus 15 Jahrhunderten, Regensburg 1983
- Franz Dobmann, Georg Friedrich Freiherr von Zentner als bayerischer Staatsmann in den Jahren 1799-1821 (= Münchener Historische Studien Abteilung Bayerische Geschichte VI), Kallmünz 1962
- Mitteilungen für die Archivpflege in Bayern 17 (1971), S. 8
- Seiner Churfürstliehen Durchleucht zu Pfalz etc. etc. Hof= und Staatskalender für das Jahr ..., München 1780ff.
- Ernst Garner, Der "Vater der bayerischen Verfassung". Im Schatten eines Mächtigeren: Georg Friedrich von Zentner, in: Unser Bayern. Heimatbeilage der Bayerischen Staatszeitung Jahrgang 42 Nr. 8 (August 1992)
- Eberhard Weis, Die Säkularisation der bayerischen Klöster 1802/03. Neue Forschungen zu Vorgeschichte und Ergebnissen. Vorgetragen am 2. Juli 1982 (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften philosophisch-historische Klasse Jahrgang 1983, Heft 6), München 1983
V. Weitere Archivalien zu Georg Friedrich Freiherrn von Zentner
- Bayerisches Hauptstaatsarchiv Abt. I:
HR I Fasc. 253 Nr. 614: Personalakt von Zentner Geheimer Referendar 1799
- Bayerisches Hauptstaatsarchiv Abt. II:
MINN 35865: Georg Friedrich von Zentner Geheimer Referendar1796-1820
MJu 19009: Georg Friedrich von Zentner Justizminister 1820-1835
MA 9296: Staatsministerium /Reichsrat 1800-1809 (1837?)
Staatsrat 1749: Georg Friedrich von Zentner Staatsrat 1817-1835
Ordensakten 12401: Kronorden (= Großkreuz des ZivilVerdienstordens )
- Bayerisches Hauptstaatsarchiv Abt. V:
Nachlaß Montgelas:
150: Vorträge über das Bürgerliche Gesetzbuch (mit einem Beitrag Zentners) 1810
195: Gedächtnisrede G.F.v. Zentner 1837 Memoire von Rumford (Akademie der Wissenschaften) (Abschrift) 1802
248: Das rheinpfälzische Schuldenwesen. Vortrag von Zentner 1810
VI. Archivalien zu Friedrich Jakob von Zentner
- Bayerisches Hauptstaatsarchiv Abteilung IV:
Offizierspersonalakten:
OP 84113: Offizierspersonalakt Friedrich Jakob Ritter von Zentner
VII. Archivalien zu Friedrich Emanuel Ritter von Zentner
- Bayerisches Hauptstaatsarchiv Abteilung II:
Ordensakten:
9405: Silbernes Ehrenkreuz des kgl. griechischen Erlöserordens 1843
9407: Friedrich Ritter von Zentner 1854
9953: Oberleutnant Friedrich Ritter von Zentner 1845 (Fremde Orden und Ehrenzeichen)
Caroline Gigl M.A.
Referendarkurs 1993/1996
14. Dezember 1993