Die Staatlichen Archive Bayerns

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Zwischen Mittelalterromantik, Geopolitik und europäischer Zukunftshoffnung ˗ König Ludwig III. und sein politisches Vermächtnis
Zwischen Mittelalterromantik, Geopolitik und europäischer Zukunftshoffnung ˗ König Ludwig III. und sein politisches Vermächtnis
Zwei spannende Schriftstücke aus dem Nachlass des letzten bayerischen Königs, Ludwigs III., verwahrt in der Abteilung III – Geheimes Hausarchiv des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, wurden bisher von der Forschung zu Unrecht wenig beachtet. Sie können dazu beitragen, das Bild Ludwigs III. in der Geschichtsschreibung nachhaltig zu verändern. Eine kleine virtuelle Ausstellung, die das Bayerische Hauptstaatsarchiv zum 100. Todestag am 18. Oktober 2021 gestaltete, stellt unter anderem die beiden Dokumente vor. Die Originaldokumente waren vom 18. Oktober bis zum 5. November 2021, also vom Todestag bis zum Jahrestag des Begräbnisses im Ausstellungsbereich vor dem Lesesaal des Bayerischen Hauptstaatsarchivs zu sehen. Eröffnet wurde die Präsentation bei einem gemeinsamen Besuch S.K.H. Herzog Franz von Bayern, dem Urenkel Ludwigs III., und des Leiters des Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Dr. Florian Herrmann, MdL, im Hauptstaatsarchiv am 14. Oktober. Im Sommer 1921 herrschte offiziell seit zwei Jahren Friede. Der Vertrag von Versailles – in Deutschland zeitgenössisch als „Diktat“ bezeichnet – und die nachfolgenden Friedensverträge mit den ehemaligen Verbündeten des Deutschen Reiches hatten aber nur eine Art ersten „Kalten Krieg“ zwischen Deutschland und den westlichen Siegermächten zu begründen vermocht. Weiter östlich sah es oft noch schlimmer aus: Von dem zwischen Litaue
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Inkunabel in der Amtsbibliothek des Bayerischen Hauptstaatsarchivs (wieder)entdeckt
Inkunabel in der Amtsbibliothek des Bayerischen Hauptstaatsarchivs (wieder)entdeckt
Immer wieder machen Archive spannende Entdeckungen in ihren eigenen Beständen. Zuletzt beispielsweise das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, das im Sommer 2020 bei einem Digitalisierungsprojekt eine jahrzehntelang verschollene Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 982 wiederentdeckte. Man fragt sich stets, wie es sein kann, dass derart Einzelstücke im eigenen Haus einfach verschwinden konnten. Die Antwort war hier – wie in den meisten derartigen Fällen – denkbar einfach: Das Stück wurde irgendwann einmal an der falschen Stelle eingestellt. Meist hilft in diesen Fällen nur noch ein glücklicher Zufall oder Magazinpersonal, das in der Kunst des Findens geübt ist, um wieder darauf zu stoßen. Ein ähnlicher Fall hat sich nun auch im Bayerischen Hauptstaatsarchiv ereignet. Im Rahmen einer umfassenden Revision ihres Magazinbereichs stieß die Restaurierungswerkstatt auf einen schwer beschädigten Band aus der Amtsbibliothek, dem ein Auftragsschein aus dem Jahr 1981 beilag. Aufgrund vordringlicherer konservatorischer Arbeiten an Archivalien war seine Restaurierung offenbar immer wieder zurückgestellt worden, so dass das Buch über die Jahrzehnte und mehrere Generationswechsel hinweg sowohl dem Bibliotheks- als auch dem Restaurierungspersonal schlichtweg aus dem Blickfeld geraten war. Kurioserweise war auch im Bibliothekskatalog kein Hinweis auf das Buch zu finden, so dass es nicht einmal vermisst wurde. Be
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Peter Litvai
Als das Staatsarchiv Amberg noch königlich war
Auf Vermittlung eines langjährigen Benutzers bekam das Staatsarchiv Amberg aus privater Hand ein Emailleschild mit der Aufschrift „Kgl. Kreisarchiv der Oberpfalz“ (Format 15 x 21 cm) geschenkt, das seit 1875 (oder später) am ehemaligen Archivstandort in der Amberger Altstadt als Behördenschild gedient haben dürfte. Als das Staatsarchiv Amberg sich noch „Kgl. Kreisarchiv der Oberpfalz“ nannte, befand es sich in einem Gebäudekomplex in der Regierungsstraße, der heute vom Landgericht Amberg genutzt wird. Historischer Kern der Anlage ist die unter Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz im Renaissancestil erbaute Regierungskanzlei, die 1547 bezogen werden konnte. Wegen zusätzlichen Raumbedarfs wurden um 1600 zwei angrenzende Privatgebäude gekauft und zu einem „Archivum“ ausgebaut. Seit Ende des 18. Jahrhunderts diente zusätzlich das benachbarte Rentmeisterhaus der Lagerung von Archivgut. 1910 konnte das Amberger Archiv am heutigen Standort in der Archivstraße einen für archivische Zwecke errichteten Neubau beziehen, der in allen Funktionsbereichen eine erhebliche Verbesserung bedeutete. Nach dem Auszug des Archivs scheint die Emailletafel am bisherigen Standort zurückgeblieben zu sein, da den Eingang zum neuen Gebäude neben dem Wappen des Königreichs als Supraporte auch ein neues Behördenschild zierte. Vermutlich erschien dem Hausmeister oder einem Handwerker das geb
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(c) Bayrisches Hautpstaatsarchiv München
Korrekturfahnen von Orlando di Lassos Magnum Opus Musicum (1604) im Bayerischen Hauptstaatsarchiv
Im Rahmen der Sichtung von Fragmenten im Bayerischen Hauptstaatsarchiv wurde eine aufregende Entdeckung gemacht. Es ist nicht die erste Blüte, die aus diesem Fundus der Fragmentensammlung herausragt. 2018 wurden schon Teile einer Sonate für zwei Violinen und Basso Continuo von Johann Caspar Teubner aus dem Jahr 1695 gefunden (Fragmentensammlung vorl. Nr. 176; vgl. Nachrichten Nr. 73/2017, S. 37–39). Im Zuge von Erschließungsarbeiten wurden weitere Fragmente eines Musiknotendruckes 2017 erfasst und der Fragmentensammlung zugeordnet. Um diese Musikalien genauer zu untersuchen, wurde die deutsche Arbeitsstelle des Répertoire International des Sources Musicales (RISM) in der Bayerischen Staatsbibliothek kontaktiert. Ursprünglich waren die Blätter (Fragmentensammlung vorl. Nr. 42) im Archivale Oberster Lehenhof 14 des Bayerischen Hauptstaatsarchivs als Einbandmakulatur verwendet worden. Diese nach Herauslösung in unterschiedlichen Formaten vorliegenden, zugeschnittenen Blätter konnten jetzt als Teile eines Musiknotendrucks identifiziert werden, der handschriftliche Eintragungen enthält. Dabei handelt es sich um Orlando di Lassos Magnum Opus Musicum, eine Art „Gesamtausgabe“ der Motetten des Münchner Hofkapellmeisters, die von den Söhnen Lassos Ferdinand (ca. 1560–1609) und Rudolph (ca. 1563–1625) im Jahr 1604 bei Nicolaus Heinrich in München herausgegeben wurde; der Druck spielt in der Las
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