
Überlieferung der Post – weder trocken, noch unbelebt
Behördliches Schriftgut muss nicht nur nüchtern und trocken sein. Das belegen Akten aus der Überlieferung der Ober- bzw. der Reichspostdirektion Augsburg, die beim Staatsarchiv Augsburg verwahrt werden. Im Jahr 1999 erhielt das Staatsarchiv Augsburg den zur Oberpostdirektion (OPD) Augsburg gehörenden Teil des damals aufgelösten Nürnberger Postarchivs. Der Ober- bzw. Reichspostdirektion Augsburg oblag als Bezirksbehörde neben dem Vollzug der zentralbehördlichen Verfügungen auch die Dienstaufsicht innerhalb ihres Bezirks. Für den örtlichen Betrieb waren die örtlichen Postanstalten zuständig. Bei der Verzeichnung der Akten wurde festgestellt, dass die Unterlagen weder bei der OPD Augsburg selbst noch im Postarchiv ausgedünnt worden waren. So fanden sich in dieser Überlieferung neben einem hohen Anteil an redundantem Aktengut auch außergewöhnliche Unterlagen zur Geschichte der schwäbischen Post. Nach Beendigung der Erschließungsarbeiten wurde besonders aufschlussreiches, zum Teil kurioses Schriftgut dieser reichhaltigen Überlieferung 2003 in der Ausstellung „Postagenten, Schwarzsender und Sommerreisen. Geschichte der Post in Schwaben zwischen 1808 und 1945“ präsentiert (Katalog: https://www.gda.bayern.de/mam/typo3/user_upload/PDFs_fuer_Publikationen/Kleine_Ausstellungen/Kl-Katalog-21-Postagenten.pdf). Zwei Beispiele illustrieren die kuriosen Seiten der Überl
Mehr lesen→
Ein Niederländer für Bayern in Paris: der Nachlass von Maximilian Van Eyck im Bayerischen Hauptstaatsarchiv
Habent sua fata libelli – Bücher haben ihr eigenes Schicksal, so auch die 36 Bände mit Depeschen, Korrespondenz und Notizen des Grafen Maximilian Emanuel Franz Van Eyck (1711–1777), die dieser in seiner Funktion als außerordentlicher Gesandter Bayerns in Paris vom 24. Juni 1755 bis 20. Oktober 1777 führte. Die Aufzeichnungen ermöglichen einen einmaligen Blick in die diplomatische und höfische Welt in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach 226 Jahren wurde das Konvolut im März 2023 auf einer Auktion in Versailles für das Bayerische Hauptstaatsarchiv ersteigert. Im April 2023 kamen die Bände nach München und wurden in die Bestände der Abteilung V Nachlässe und Sammlungen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs als Nachlass Van Eyck eingereiht. Maximilian van Eyck, ein Niederländer in bayerischen Diensten in Paris, wohnte und arbeitete im repräsentativen Hôtel de Beauvais im Pariser Marais, das er zunächst mietete und 1759 kaufte. Hier empfing er – um nur ein Beispiel zu nennen – von November 1763 bis April 1764 den jungen Wolfgang Amadeus Mozart mit seinem Vater Leopold. Dieser Besuch ist über andere Quellen nachweisbar, aber über den Nachlass nicht belegt. Für sich ließ er alles, was im Zusammenhang mit seiner diplomatischen Tätigkeit für Bayern anfiel, in 36 einheitlich in Leder gebundenen Bänden, von einem professionellen Schreiber n
Mehr lesen→
Zentraler Fotobestand zum Ersten Weltkrieg online verfügbar
Einer der zentralen Fotobestände der Abt. IV Kriegsarchiv des Bayerischen Hauptstaatsarchivs zum Ersten Weltkrieg, die sogenannte Staudinger-Sammlung, ist seit November 2022 vollständig online einsehbar und recherchierbar. Digitalisiert wurden nicht nur die einzelnen Fotos, sondern der originale vollständige Kartonbogen, auf den jeweils bis zu drei Fotos aufgebracht sind. Das Findmittel zur Staudinger-Sammlung ist bereits seit längerem über die Findmitteldatenbank online abrufbar. Vor der Onlinestellung der Digitalisate mussten aber erst noch zahlreiche technische und urheberrechtliche Fragen geklärt werden. Die urheberrechtliche Problematik hängt mit der Genese der Sammlung zusammen: Auf Betreiben von Generalmajor Karl Staudinger (1848–1925), Leiter des Bayerischen Kriegsarchivs von 1904 bis 1918, forderte das Bayerische Kriegsministerium im April 1915 sämtliche bayerischen Einheiten, die mit Fotogerät ausgestattet waren, zur Abgabe von Abzügen ihrer Aufnahmen an das Archiv auf. Die daraus entstandene, nach dem Initiator Staudinger benannte Bildersammlung, wurde durch Fotos von Pressediensten und auf Vermittlung des Bayerischen Militärbevollmächtigten in Berlin durch Aufnahmen preußischer Einheiten ergänzt und angereichert. Es entstand eine einzigartige Bildersammlung: 24.434 Einzelbilder wurden in der Folge von Staudinger nach Sach- und Ortsbetreffen geordnet und mit Bildunterschriften versehen. Ni
Mehr lesen→
Historisches Territorium im Kartenbild – das Landgericht Sulzbach
Im März 2021 konnte das Staatsarchiv Amberg im Antiquariatshandel eine bislang unbekannte Karte des Landgerichts Sulzbach aus dem Jahr 1768 erwerben. Dieses Amt war Teil des Fürstentums Pfalz-Sulzbach, das seit 1742 in Personalunion mit dem Herzogtum Pfalz-Neuburg und der Kurpfalz vom späteren bayerischen Kurfürsten Karl Theodor regiert wurde. Sowohl die Gesamtgestaltung als auch die Detaildarstellungen der handgezeichneten Karte lassen als Vorbild eine Karte von 1603 vermuten, die von dem Pfarrer Christoph Vogel im Rahmen der Landesaufnahme des Herzogtums Pfalz-Neuburg um 1600 angefertigt wurde. Diese im Bayerischen Hauptstaatsarchiv verwahrte Karte (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plansammlung 3084) kann jederzeit online zusammen mit weiteren Pfalz-Neuburger Karten auf bavarikon, dem Kulturportal des Freistaats Bayern betrachtet werden: https://www.bavarikon.de/object/bav:GDA-LAA-0000BAYHSTAPL097?lang=de Im direkten Vergleich mit der Karte von 1603 lassen sich an der Karte von 1768 drei Besonderheiten erkennen: Erstens wird die territoriale Darstellung um bedeutendere Orte, wie das Kloster Kastl (Markt Kastl, Lkr. Amberg-Sulzbach) im Süden oder den Markt Neuhaus a.d.Pegnitz (Lkr. Nürnberger Land) im Westen, erweitert. Zweitens ist die Karte keine bloße Kopie, sondern zeigt bauliche Neuerungen, wie die ab 1656 errichtete Wallfahrtskirche St. Anna östlich der Stadt Sulzbach-Rosenberg und den ebenfalls um 1656 als „Hammerphilippsbu
Mehr lesen→