Die Staatlichen Archive Bayerns

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Schlüssel zum Reliquienschrein des Heiligen Sebald im Staatsarchiv Nürnberg gefunden
Schlüssel zum Reliquienschrein des Heiligen Sebald im Staatsarchiv Nürnberg gefunden
Erstmals in aller Öffentlichkeit fand am 20. Juli 2019 in der Sebalduskirche in Nürnberg die feierliche Visitation der Gebeine des Kirchenheiligen St. Sebald statt. Anlass war der 500. Geburtstag des Grabmals aus der Werkstatt des Nürnberger Künstlers Peter Vischer d.Ä. Der imposante, äußerst kunstvolle Bronzeguss diente als Gehäuse und Schutz für den 1397 fertiggestellten Reliquienschrein, von dem vorher immer wieder Silberplättchen entwendet wurden. Der Einsiedler Sebald lebte im 11. Jahrhundert in der Nürnberger Gegend. Sein Leichnam wurde von seinem Sterbeort nach Nürnberg transferiert. Wenige Jahrzehnte nach seinem Tod war von wunderbaren Krankenheilungen an dessen Grab die Rede, und bald verbreitete sich der Ruhm des Eremiten weit über Franken hinaus, 1425 wurde er heiliggesprochen. Um 1275 wurde die doppelchörige Pfarrkirche St. Sebald fertiggestellt, seit 1379 werden im Ostchor die Reliquien des Nürnberger Stadtpatrons verehrt. Zwei Holzladen fassten je 18 große und 91 kleinere Knochen des Heiligen, die nachweislich seit 1463 in unregelmäßigen Abständen besichtigt wurden. Die zwanzigste Visitation am 20. Juli 2019 wurde mit einem Gottesdienst begangen, dem eine wissenschaftliche Untersuchung der Reliquien folgte. Dem Leiter des Staatsarchivs Nürnberg fiel dabei die Aufgabe zu, alle dem Schrein beiliegenden, zeitgenössischen Berichte zu edieren (Peter Fleischmann
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Thomas Mann im Kriegsarchiv
Thomas Mann im Kriegsarchiv
In Folge der Mobilmachung vom 1. August 1914 und des Gesetzes über den Kriegszustand von 1912 wurde im bayerischen Kriegsministerium ein Pressereferat als oberste bayerische Zensurstelle eingerichtet. Dieses Referat, das noch im Oktober 1918 zur „Pressesektion“ aufgewertet wurde, beschäftigte unter seinem Leiter Alfons Falkner von Sonnenburg (1851–1929) zeitweise bis zu 15 Zensoren. Die Zensoren beobachteten die bayerische, sonstige deutschsprachige und ausländische Presse, verfolgten die Weitergabe militärischer Nachrichten und überwachten die Ein- und Ausfuhr von Druckerzeugnissen jeglicher Art. Ebenfalls zum Aufgabenbereich des Pressereferates gehörte die Zensur der Briefe im Auslandsverkehr, die zentral für ganz Bayern durch die militärische Überwachungsstelle des I. Armeekorps im Bahnpostamt München I durchgeführt wurde. Selbst bekannte Künstler und Literaten, wie Thomas Mann (1875–1955), blieben nicht von der Zensur verschont. In der Überlieferung des Stellvertretenden Generalkommandos des I. Armeekorps ist ein Brief des Schriftstellers vom 8. September 1915 erhalten: Thomas Mann beschwerte sich darin bei der Zensurbehörde, dass eine an ihn adressierte Drucksache aus der Schweiz noch nicht eingetroffen sei. Bei der erwarteten Publikation handelte es sich um eine 1915 in Lausanne erschienene Schmähschrift gegen Deutschland mit dem Titel „J’accuse“. Die ano
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Dauerleihgabe aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv im Bundestag
Wenn die Abgeordneten des Deutschen Bundestags ihren Weg durch die West-Lobby des Reichstagsgebäudes nehmen, kommen sie seit kurzem an einer Tischvitrine vorbei, die unter ihrer gläsernen Haube ein aufgeschlagenes Faksimile des Grundgesetzes birgt. Dieses Stück stammt aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, genauer aus dem Nachlass von Anton Pfeiffer. Die darin enthaltenen Mehrfachexemplare des Grundgesetz-Faksimiles wurden in einen Mischbestand politisch-gesellschaftlich bedeutender Dokumente eingereiht (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Sammlung Varia 1826/1; vgl. Nachrichten Nr. 72/2017, S. 52–53). Einer der Bände wurde dem Deutschen Bundestag als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und wird dort seither öffentlich präsentiert. Das Original des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 1949 wird im Archiv des Deutschen Bundestags verwahrt. Ein hellbrauner Ledereinband umfängt die nur gut 50 Seiten aus Büttenpapier, deren letzte Blätter die Unterschriften des damaligen Präsidenten des Parlamentarischen Rates, Konrad Adenauer, der Minister-, Staats- bzw. Senatspräsidenten und 1. Bürgermeister der Länder sowie aller an der Entstehung des Grundgesetztextes beteiligten Frauen und Männer tragen. Das schwarz-rot-goldene Einmerkband markiert die Seite mit Art. 56 GG, der Eidesformel für Bundespräsident und Bundeskanzler. Zu deren Vereidigung kommt das Original noch rege
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Ein Federkiel aus längst vergangenen Zeiten
Ein Federkiel aus längst vergangenen Zeiten
Die Schreiber der in den Archiven verwahrten Schriftstücke hinterließen der Nachwelt textliche Informationen über ihre jeweilige Gegenwart. Seltener blieben ihre Schreibgeräte selbst erhalten. Im Staatsarchiv Bamberg wurde nun in einem Amtsbuch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Zufall ein Federkiel entdeckt, der aus der Entstehungszeit des Bandes stammt. Harald Stark ist dem Staatsarchiv Bamberg nicht nur in seiner Funktion als ehrenamtlicher Archivpfleger für den Landkreis Kulmbach verbunden. Er gehört auch zu den langjährigen Benützern des Staatsarchivs Bamberg. Diesmal führte ihn der Auftrag in den Lesesaal, die Geschichte eines denkmalgeschützten Wohnhauses in Mainroth (Gde. Burgkunstadt) im Landkreis Lichtenfels zu untersuchen, als Grundlage für dessen Instandsetzung. Das zweigeschossige Walmdachhaus mit Freitreppe mit Sandsteinbalustrade stammt laut Denkmalliste aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. Harald Stark nahm zunächst in das Grundsteuerkataster des Rentamts Weismain für den Steuerdistrikt Mainroth von 1854 und in das ältere Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1810 Einsicht. Die ab 1808 entstandenen Kataster bieten grundlegende und exakte Aussagen über die Entwicklung der Anwesen, schließlich dienten sie der einheitlichen Besteuerung. Wie in den anderen bayerischen Staatsarchiven stellen sie auch im Staatsarchiv Bamberg eine sehr umfangreiche und wichtige Überlieferu
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